Heilpraktikerin Parri Mortazavi auf dem Banner der Rubrik Wissen für Frauen ab 40. Beitragsthema: Was hat dein Darm mit den Wechseljahren zu tun?

Was hat dein Darm mit den Wechseljahren zu tun?

Geschrieben von: Parri Mortazavi

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Lesezeit 15 min

In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt. Gleichzeitig untersucht die Forschung, wie Darmbakterien am Stoffwechsel von Östrogenen beteiligt sind. Dabei fällt immer häufiger der Begriff Estrobolom. Was steckt dahinter, was wissen wir bereits und was bedeutet das für dich als Frau ab 40?


Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mit dir ein neues Kapitel auf meinem Blog beginnen.

Hashimoto bleibt ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit. Aber nach 23 Jahren in meiner naturheilkundlichen Praxis und durch meine eigene Geschichte weiß ich: Wir Frauen bestehen nicht nur aus Schilddrüse.

Gerade ab 40 kommen oft mehrere Veränderungen zusammen. Der Schlaf wird unruhiger, die Verdauung meldet sich, und die Abläufe, die jahrelang gepasst haben, passen plötzlich nicht mehr so recht zum eigenen Körper. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen, statt jede Beschwerde sofort der Schilddrüse oder den Wechseljahren zuzuordnen.

Deshalb wird es hier künftig neben „Leben mit Hashimoto“ auch häufiger um „Frauen ab 40“ gehen. Um Hormone, Darm, Schlaf, Ernährung und die Frage, wie wir uns in dieser Lebensphase gut versorgen können.

Anfangen möchte ich mit dem Darm. Denn seine Verbindung zum weiblichen Hormonstoffwechsel finde ich besonders spannend.

Unser Körper hält sich nicht an Fachabteilungen


Wenn wir über Wechseljahre sprechen, landen wir meistens ziemlich schnell bei Östrogen und Progesteron. Vielleicht noch bei Hitzewallungen, Schlaf und Gewicht.

Unser Körper hat allerdings die Angewohnheit, sich nicht an Fachabteilungen zu halten. Die Schilddrüse beeinflusst den Stoffwechsel, das Nervensystem redet bei der Verdauung mit, und die Leber verarbeitet unter anderem Hormone. Auch die Mikroorganismen im Darm sind an Stoffwechselvorgängen beteiligt, die weit über die Verdauung hinausgehen.

Das heißt nicht, dass jede Beschwerde im Darm beginnt. Es heißt erst einmal nur: Wer den Körper verstehen will, muss die Zusammenhänge anschauen und nicht nur die einzelnen Organe.

Eine dieser Forschungsrichtungen beschäftigt sich mit dem Darmmikrobiom und den weiblichen Sexualhormonen. Schauen wir genauer hin.

Frau ab 40 sitzt entspannt mit einer Tasse Tee am Küchentisch, eine Hand liegt auf dem Bauch. Symbolbild für den Zusammenhang zwischen Darm und Wechseljahren.

Verändert sich der Darm in den Wechseljahren?

Dein Darm beherbergt Billionen von Mikroorganismen. Wie sie zusammengesetzt sind und was sie tun, hängt von vielen Dingen ab: Ernährung, Medikamente, Lebensweise. Ob auch die Hormone dabei mitmischen, wird untersucht. [2, 6]

Einzelne Studien finden Unterschiede zwischen dem Darmmikrobiom von Frauen vor und nach der Menopause. Ein einheitliches Bild ergibt sich daraus bisher aber nicht, und das sollte man ehrlich sagen.

Eine 2026 veröffentlichte Meta-Analyse hat sieben Studien zusammengefasst. Die Frage: Unterscheidet sich das Darmmikrobiom von Frauen mit niedrigem Östrogenstatus von dem prämenopausaler Frauen? Eingeschlossen waren Frauen nach der Menopause und Frauen, deren Eierstöcke vorzeitig ihre Funktion eingeschränkt hatten.

Das Ergebnis ist ernüchternd, wenn man auf eine klare Antwort gehofft hat: Bei der Bakterienvielfalt und den großen Bakteriengruppen fanden sich keine statistisch eindeutigen Unterschiede. Gleichzeitig wichen die einzelnen Studien so stark voneinander ab, dass man sie kaum unter einen Hut bekommt. [1]

Die einfache Gleichung „weniger Östrogen, schlechtere Darmflora“ lässt sich daraus also nicht ableiten. Ausgeschlossen ist ein Zusammenhang damit aber auch nicht. Es könnte zum Beispiel sein, dass sich die Aktivität einzelner Bakterien verändert, ohne dass die Gesamtzusammensetzung anders aussieht. Das wäre so, als würde in einem Orchester dieselbe Besetzung sitzen, aber ein paar Instrumente spielen plötzlich lauter.

Was heißt das für dich? Niemand kann dir heute sagen, wie das ideale Darmmikrobiom einer Frau in den Wechseljahren aussieht. Das ist keine Wissenslücke, die ich mir ausdenke. Eine aktuelle Übersichtsarbeit hält ausdrücklich fest, dass so eine Zusammensetzung für die verschiedenen Phasen der Perimenopause bisher nicht definiert ist. Die Perimenopause ist die Übergangszeit rund um die letzte Regelblutung. [2]

Wenn dir also jemand einen Darmtest anbietet und daraus dein „Wechseljahresprofil“ abliest, dann weißt du jetzt, dass es diesen Maßstab noch gar nicht gibt.

Das Estrobolom: Wie Darmbakterien am Östrogenstoffwechsel mitwirken

Der Begriff klingt sperrig, dahinter steckt aber ein ziemlich anschaulicher Vorgang. Mit Estrobolom ist die Gesamtheit bestimmter Gene von Darmmikroorganismen gemeint, deren Produkte am Stoffwechsel von Östrogenen beteiligt sind.

Vereinfacht läuft es so: Deine Leber verarbeitet Östrogene und verpackt einen Teil davon in einer gebundenen Form, damit er über die Galle in den Darm gelangt und ausgeschieden werden kann. Im Darm sitzen nun Bakterien, die genau diese Verpackung wieder öffnen können. Das erledigen bestimmte bakterielle Enzyme. Ist die Verpackung offen, kann das Östrogen erneut aufgenommen werden und in den Kreislauf zurückwandern. Fachlich heißt dieser Rundweg enterohepatischer Kreislauf, also der Weg zwischen Darm und Leber. [2, 3]

Dass Enzyme menschlicher Darmbakterien gebundene Östrogene tatsächlich wieder aktivieren können, wurde im Labor gezeigt. Das ist ein echter Beleg, aber für einen biochemischen Vorgang. Was er noch nicht sagt: wie stark dieser Vorgang bei einer einzelnen Frau ins Gewicht fällt und ob er etwas mit ihren Beschwerden zu tun hat. [3]

Für mich macht dieser Mechanismus vor allem eines deutlich: Es ist sinnvoll, Hormone und Darm gemeinsam anzuschauen. Eine Behandlung leitet sich daraus noch nicht ab.


Grafik zum Estrobolom Schematische Darstellung des enterohepatischen Kreislaufs: Östrogen wird in der Leber gebunden, gelangt über die Galle in den Darm, wird dort von Bakterienenzymen wieder freigesetzt und in den Kreislauf zurückgeführt.

„Nicht alles sind die Wechseljahre. Nicht alles ist Hashimoto. Und nicht alles ist der Darm.“

Parri

Steuert der Darm also unsere Wechseljahre?

Das wäre zu einfach.

Die Forschung zum Estrobolom liefert interessante Erklärungsansätze. Ein großer Teil davon stammt aber aus Laborarbeiten und beobachtenden Untersuchungen. Wenn sich Darmbakterien und Hormonwerte gemeinsam verändern, wissen wir dadurch noch nicht, was Ursache und was Folge ist. Ernährung, Körpergewicht, Medikamente und einiges mehr können ebenfalls beteiligt sein. [1, 2]

Deshalb gibt es aus dem bisherigen Wissen keine allgemeine Empfehlung, mit bestimmten Bakterienpräparaten die Hormone „ins Gleichgewicht“ zu bringen. Egal, wie überzeugend das auf einer Packung klingt.

Ich finde, diese Unterscheidung gehört zu einer ehrlichen Beratung. Wir dürfen neugierig auf neue Forschung sein. Wir müssen aber nicht so tun, als hätten wir damit schon jede Antwort.

Frau hält beide Hände auf ihren Bauch. Im Hintergrund eine Zeichnung von Darm und Schilddrüse, daneben die Nährstoffe Selen und Zink als Beschriftung. Symbolbild für den Zusammenhang von Darm, Schilddrüse und Nährstoffversorgung.

Was wir über den Intimbereich wissen

Neben dem Darm werden auch die Mikroorganismen der Vagina und der Harnwege untersucht. Das sind eigene Lebensräume mit eigenen Regeln. Was für die Vagina gilt, lässt sich deshalb nicht einfach auf den Darm übertragen.

Hier wird es in der Forschung deutlich konkreter, und der Grund ist ziemlich praktisch: Beschwerden im Intim- und Harnwegsbereich haben viele Frauen nach der Menopause, und sie lassen sich gut untersuchen. Fachlich heißt das genitourinäres Menopausensyndrom. Gemeint sind Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex und Beschwerden beim Wasserlassen.

Eine systematische Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Maturitas hat 2026 insgesamt 23 Studien mit zusammen 5.027 Teilnehmerinnen dazu ausgewertet. Auffällig ist, wo der Schwerpunkt lag: 15 Studien schauten auf das Vaginalmikrobiom, sieben auf die Harnwege und nur eine einzige auf den Darm. Der Darm ist in dieser Frage also noch fast unerforscht, auch wenn er im Internet schon als Hauptdarsteller gehandelt wird. [4]

Im Vaginalbereich zeigte sich nach der Menopause häufig ein Rückgang der Lactobacillus-Bakterien bei gleichzeitig größerer Vielfalt. Und hier kommt ein Punkt, der viele überrascht: Mehr Vielfalt ist dort nicht automatisch gut. Für den Darm hört man ständig „je bunter, desto besser“. Für die Vagina gilt das nicht. Sie ist am gesündesten, wenn wenige Lactobacillus-Stämme das Sagen haben.

Unter einer Östrogenbehandlung kehrte diese Lactobacillus-Dominanz teilweise zurück. Die Beschwerden besserten sich dadurch aber nicht bei jeder Frau. [4]

Das ist eine Situation, die ich aus der Praxis kenne. Ein Laborbefund verändert sich, und die Frau davor sagt: „Schön. Mir geht es aber immer noch nicht besser.“

Genau deshalb will ich immer wissen, wie es einer Frau wirklich geht. Ein Messwert ist ein Teil der Beurteilung. Ob sie Schmerzen hat, schlafen kann oder sich im Alltag wohlfühlt, gehört genauso dazu.

„Ein Laborwert kann sich verbessern, ohne dass es der Frau besser geht. Es ist eine Erinnerung daran, wer am Ende entscheidet, ob eine Behandlung etwas taugt. Du nämlich, und nicht die Tabelle.“

Parri

Und was ist mit Probiotika?

Die Frage liegt nahe. Wenn Bakterien beteiligt sind, könnten zusätzliche Bakterien dann helfen?

Eine weitere systematische Übersichtsarbeit von 2026 hat sich genau das angeschaut: Lactobacillus-Präparate beim genitourinären Menopausensyndrom, neun Studien mit insgesamt 751 Teilnehmerinnen. Untersucht wurden sowohl Kapseln zum Einnehmen als auch vaginal angewendete Präparate. [5]

Das Ergebnis ist gemischt, und zwar in einer Weise, die man kennen sollte. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen gab es Hinweise auf einen Nutzen. Die kamen aber zum Teil aus Studien ohne randomisierte Vergleichsgruppe, also ohne die zufällige Zuteilung, die einen Effekt erst wirklich beweisbar macht. Solche Untersuchungen liefern Anhaltspunkte, mehr nicht. Die Studien, die diese Zuteilung hatten, verglichen die Probiotika mit einer vorbeugenden Antibiotikabehandlung, und da fielen die Ergebnisse gemischt bis negativ aus.

Für andere Harnwegsbeschwerden und vaginale Beschwerden blieb die Datenlage dünn und uneinheitlich, besonders bei Kapseln zum Einnehmen. [5]

Was heißt das im Alltag? Es kommt auf drei Dinge an: welcher Bakterienstamm, welche Anwendung und welche Beschwerde. Ein Ergebnis zu einem vaginal angewendeten Präparat sagt nichts über eine Kapsel aus. Und eine Studie zu Beschwerden im Intimbereich belegt keine Wirkung gegen Hitzewallungen, Schlafprobleme oder sonstige Wechseljahresbeschwerden.

Eine gute Darmversorgung lässt sich deshalb auch nicht daran ablesen, wie viele Milliarden Bakterien auf einer Packung stehen. Die Zahl ist beeindruckend, aber sie beantwortet keine der drei Fragen.

Was du im Alltag mitnehmen kannst

Wir müssen nicht warten, bis jede Frage zum Estrobolom beantwortet ist, um uns um unsere Ernährung und unser Wohlbefinden zu kümmern.

Für mich beginnt das mit einer abwechslungsreichen Ernährung, in der Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte ihren Platz haben dürfen, soweit du sie verträgst. Ballaststoffe sind das Futter für bestimmte Darmmikroorganismen. Ob und wie sich über die Ernährung gezielt Wechseljahresbeschwerden beeinflussen lassen, wird allerdings noch untersucht. [2]

Wenn dein Darm empfindlich reagiert, muss nicht ab morgen die doppelte Portion Hülsenfrüchte auf dem Teller liegen. Veränderungen dürfen schrittweise passieren und zu dir passen.

Auch ausreichend Eiweiß, Bewegung, Schlaf und Entlastung im Alltag gehören für mich zum Blick auf Frauen ab 40. Das ist ein breiter Blick auf deine Versorgung und Lebensweise, keine Methode, mit der sich das Estrobolom gezielt einstellen ließe. So etwas gibt es bislang nicht.

Medikamente können ebenfalls das Darmmikrobiom beeinflussen. Eine Übersichtsarbeit von 2026 diskutiert die Einnahme mehrerer Medikamente als wichtigen Einflussfaktor nach der Menopause. Welche Rolle Veränderungen des Estroboloms dabei für konkrete Beschwerden spielen, muss noch gezielt untersucht werden. [6]

Wenn du einen Zusammenhang zwischen einem Medikament und neuen Verdauungsbeschwerden vermutest, sprich mit der behandelnden Praxis darüber. Bitte setz nichts auf eigene Faust ab.

Präbiotika und Probiotika können je nach Situation eine Überlegung sein. Ob ein Präparat sinnvoll ist, hängt aber von der konkreten Frage ab. „Wechseljahre“ allein ist dafür noch keine ausreichende Begründung.

Bild zur Ernährung Frau  sitzt am tisch vor ihr Teller mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn als Beispiel für eine ballaststoffreiche Ernährung, die Darmmikroorganismen als Nahrung dient.

Warum ich bei Frauen ab 40 genauer hinschaue

In meiner Praxis erlebe ich, dass Frauen selten mit genau einem Thema kommen. Vielleicht ist Hashimoto schon länger bekannt. Dann verändert sich der Schlaf, die Verdauung wird empfindlicher oder die bisherige Ernährung passt nicht mehr so gut.

Da hilft es wenig, alles unter einer einzigen Überschrift abzulegen. Nicht alles sind die Wechseljahre. Nicht alles ist Hashimoto. Und nicht alles ist der Darm.

Mich interessiert, was sich verändert hat, seit wann es besteht und was bereits untersucht wurde. Aus diesem Gesamtbild lässt sich viel besser entscheiden, wo wir genauer hinschauen sollten.

Mit der Rubrik „Frauen ab 40“ möchte ich dir diese Zusammenhänge verständlich machen. Dazu gehört auch, offen zu sagen, wo die Forschung noch keine verlässliche Antwort hat.

Du musst dafür weder dein Mikrobiom auswendig kennen noch jede neue Studie lesen. Mir ist wichtig, dass du deinen Körper besser einordnen kannst und weißt: Neue Beschwerden verdienen Aufmerksamkeit, auch wenn sie in eine Lebensphase fallen, in der sich vieles verändert.

Mein persönliches Fazit

Als ich angefangen habe, mich in die Forschung zum Estrobolom einzulesen, hatte ich kurz die Hoffnung, hier eine einfache Erklärung zu finden. Darm gut, Hormone gut, Wechseljahre halb so wild. So schön ist es nicht geworden. Und ehrlich gesagt finde ich das beruhigend. Denn ein Körper, der sich mit einer einzigen Stellschraube einstellen ließe, wäre mir nach 23 Jahren Praxis auch verdächtig vorgekommen.

Wenn du dich fragst, was Darm und Wechseljahre bei dir miteinander zu tun haben, dann ist die ehrliche Antwort: möglicherweise einiges, aber niemand kann es dir heute beziffern. Was ich aus diesen Studien mitnehme, ist etwas anderes: Darm und Hormone sprechen miteinander. Das ist inzwischen gut belegt, zumindest als biochemischer Vorgang. Wie laut dieses Gespräch bei dir persönlich ausfällt und ob es an deinen Beschwerden überhaupt beteiligt ist, kann heute niemand seriös sagen. Wer dir das Gegenteil verspricht, hat entweder mehr gelesen als die Forschung hergibt oder möchte dir etwas verkaufen.

Dabei haben wir uns heute nur einen kleinen Ausschnitt angeschaut. Die Beteiligung am Östrogenstoffwechsel ist eine Aufgabe deines Darms, und längst nicht die wichtigste. Verdauung, Nährstoffaufnahme, Immunsystem, die Verbindung zum Nervensystem: Da ist noch einiges, worüber wir hier in Ruhe sprechen werden. Die offenen Fragen zum Estrobolom sind also kein Urteil über den Darm insgesamt.

Für meine Arbeit heißt das: Ich schaue mir den Darm bei Frauen ab 40 mit an, aber nicht, weil ich dort die Ursache für alles vermute. Ich schaue hin, weil Verdauung, Schlaf, Ernährung und Hormone bei einer Frau nun einmal im selben Körper stattfinden und sich gegenseitig beeinflussen. Manchmal ist der Darm das Thema. Manchmal ist er nur der Ort, an dem sich etwas anderes bemerkbar macht. Beides verdient einen genauen Blick und keine schnelle Schublade.

Und dann ist da noch etwas, das mir beim Lesen der Vaginalstudien besonders hängen geblieben ist: Ein Laborwert kann sich verbessern, ohne dass es der Frau besser geht. Das ist für mich kein Grund, Messwerte kleinzureden. Es ist eine Erinnerung daran, wer am Ende entscheidet, ob eine Behandlung etwas taugt. Du nämlich, und nicht die Tabelle.

Wenn du also gerade ab 40 merkst, dass sich einiges verschiebt, dann lass dir nicht einreden, das sei jetzt alles die Menopause, alles die Schilddrüse oder alles der Darm. Beobachte, was sich verändert hat, und nimm es ernst. Eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Eiweiß, Bewegung und Schlaf sind dabei kein Geheimtipp, aber sie sind das, was wir sicher wissen. Der Rest wird noch erforscht, und ich lese weiter mit. Wenn sich etwas Wesentliches tut, erfährst du es hier.

Wie geht es dir mit diesem Thema? Schreib mir gern, was dich rund um Darm und Wechseljahre beschäftigt. Genau daraus entstehen die nächsten Beiträge in dieser Rubrik.

Bild zur Praxis oder Beratung Heilpraktikerin im Gespräch mit einer Patientin, beide sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Symbolbild für die Beratung von Frauen ab 40 zu Hormonen, Darm und Schlaf.

„Unser Körper hat allerdings die Angewohnheit, sich nicht an Fachabteilungen zu halten.“

Parri

Und wo passt Hashifit da hinein?

Genau in diesen Gedanken. Als ich Hashifit entwickelt habe, ging es mir um Hashimoto, aber von Anfang an als Systemthema: Schilddrüse, Schlaf, Nervensystem, Darm, Leber und Nährstoffversorgung gehören für mich zusammen. Ein einzelnes Wundermittel dafür gibt es nicht, deshalb wollte ich auch keines bauen.

Hashifit besteht darum aus mehreren Bausteinen. Einer für die tägliche Grundversorgung, einer für den Abend, einer für Phasen, in denen das Nervensystem mehr abbekommt, dazu Bausteine für Leber, Darm und Jod. Du wählst aus, was zu deiner Situation passt, und nicht jede Frau braucht alle. Was ursprünglich für Frauen mit Hashimoto entstanden ist, begleitet inzwischen viele Frauen ab 40, mit und ohne Schilddrüsenthema.

Eines gehört der Ehrlichkeit halber dazu: Die Studien in diesem Beitrag sagen nichts über Hashifit aus. Was das System kann und wie die Bausteine zusammenspielen, erkläre ich dir hier:

FAQ - Häufige Fragen zum Hashifit-System

Was ist das Estrobolom?

Das Estrobolom ist die Gesamtheit bestimmter Gene von Darmbakterien, deren Produkte am Stoffwechsel von Östrogenen beteiligt sind. Vereinfacht: Deine Leber verpackt einen Teil der Östrogene zur Ausscheidung, im Darm können bakterielle Enzyme diese Verpackung wieder öffnen, und das Östrogen kann in den Kreislauf zurückgelangen. Dass das im Labor funktioniert, ist belegt. Wie stark es bei einer einzelnen Frau ins Gewicht fällt, ist offen.


Verändert sich das Darmmikrobiom in den Wechseljahren?


Einzelne Studien finden Unterschiede zwischen Frauen vor und nach der Menopause. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 mit sieben Studien fand bei der Bakterienvielfalt und den großen Bakteriengruppen aber keine statistisch eindeutigen Unterschiede, und die einzelnen Studien widersprachen sich stark. Die einfache Formel „weniger Östrogen, schlechtere Darmflora“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Gibt es ein ideales Darmmikrobiom für Frauen in den Wechseljahren?

Nein, bislang nicht. Eine aktuelle Übersichtsarbeit hält ausdrücklich fest, dass eine solche Zusammensetzung für die Phasen der Perimenopause nicht definiert ist. Ein Darmtest, der dir ein „Wechseljahresprofil“ ausweist, misst also gegen einen Maßstab, den es noch nicht gibt.

Kann ich mit Probiotika meine Hormone ins Gleichgewicht bringen?

Dafür gibt es keine belastbare Grundlage. Die Forschung zum Estrobolom stammt überwiegend aus Laborarbeiten und beobachtenden Untersuchungen. Ob Darmbakterien Hormonwerte verändern oder umgekehrt, ist nicht geklärt. Eine allgemeine Empfehlung, Bakterienpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden einzunehmen, lässt sich daraus nicht ableiten.


Helfen Probiotika bei Scheidentrockenheit oder Blasenentzündungen nach der Menopause?

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2026 mit neun Studien und 751 Teilnehmerinnen kam zu gemischten Ergebnissen. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen gab es Hinweise auf einen Nutzen, allerdings zum Teil aus Studien ohne randomisierte Vergleichsgruppe. Die randomisierten Studien zeigten im Vergleich mit vorbeugenden Antibiotika gemischte oder negative Ergebnisse. Bei anderen Beschwerden im Intimbereich ist die Datenlage dünn, besonders bei Kapseln zum Einnehmen. Es kommt auf den Bakterienstamm, die Anwendungsform und die konkrete Beschwerde an.

Ist mehr Vielfalt im Mikrobiom immer besser?

Nicht überall. Für den Darm gilt eine hohe Vielfalt meist als günstig. Für die Vagina ist es umgekehrt: Sie ist am gesündesten, wenn wenige Lactobacillus-Stämme dominieren. Nach der Menopause nimmt diese Dominanz häufig ab und die Vielfalt zu, was dort kein gutes Zeichen ist.

Was kann ich im Alltag für meinen Darm tun?

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorn, soweit du sie verträgst. Dazu ausreichend Eiweiß, Bewegung, Schlaf und Entlastung im Alltag. Das ist kein Verfahren, mit dem sich das Estrobolom gezielt einstellen ließe, sondern eine gute Grundversorgung. Veränderungen dürfen schrittweise passieren.

Können Medikamente das Darmmikrobiom beeinflussen?

Ja. Eine Übersichtsarbeit von 2026 nennt die Einnahme mehrerer Medikamente als wichtigen Einflussfaktor nach der Menopause. Wenn du einen Zusammenhang zwischen einem Medikament und neuen Verdauungsbeschwerden vermutest, sprich mit der behandelnden Praxis. Bitte setz nichts eigenständig ab.

Sind meine Beschwerden jetzt die Wechseljahre, Hashimoto oder der Darm?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, und genau das ist der Punkt. Nicht alles sind die Wechseljahre, nicht alles ist Hashimoto, nicht alles ist der Darm. Hilfreich ist, festzuhalten, was sich verändert hat, seit wann es besteht und was bereits untersucht wurde. Neue Beschwerden verdienen Aufmerksamkeit, auch in einer Lebensphase, in der sich vieles verändert.

Hat das Hashifit System eine Wirkung auf das Estrobolom?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Die im Beitrag besprochenen Studien untersuchen Zusammenhänge zwischen Mikrobiom, Hormonen und Beschwerden. Sie sagen nichts über das Hashifit System aus. Ob eine Nahrungsergänzung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Ernährung, deiner Situation und dem jeweiligen Produkt ab.

parri mortazavi heilpraktikerin und hashifit Gründerin

Parri Mortazavi

Parri Mortazavi ist Heilpraktikerin mit mehr als 23 Jahren Praxiserfahrung. Ihre Schwerpunkte sind Hashimoto, Frauengesundheit, TCM und orthomolekulare Medizin. Sie verbindet naturheilkundliches Erfahrungswissen mit physiologischen Zusammenhängen und aktueller Forschung und sagt dabei auch offen, wo die Wissenschaft noch keine Antwort hat.

Aus ihrer eigenen langjährigen Erfahrung mit Hashimoto und der Arbeit mit Patientinnen entwickelte sie 2018 das Hashifit-System. Heute begleitet sie in ihrer Praxis und online vor allem Frauen ab 40 dabei, Schilddrüse, Hormone, Darm und Stoffwechsel als Ganzes zu verstehen, mit und ohne Hashimoto.

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Quellen und weiterführende Literatur

[1] Saravinovska K et al. (2026). The impact of estrogen status on the gut microbiome: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Endocrinology.DOI: 10.3389/fendo.2026.1780806

[2] Lim MJS, Parlindungan E, See E, Gan CH, Yap R, Yong GJM. (2026). Diet, the Gut Microbiome, and Estrogen Physiology: A Review in Menopausal Health and Interventions. Nutrients, 18(7), 1052.DOI: 10.3390/nu18071052

[3] Ervin SM et al. (2019). Gut microbial β-glucuronidases reactivate estrogens as components of the estrobolome that reactivate estrogens. Journal of Biological Chemistry, 294(49), 18586–18599.DOI: 10.1074/jbc.RA119.010950

[4] Tsuboi I et al. (2026). Gut, vaginal, and urinary microbiome alterations in women with genitourinary syndrome of menopause: A systematic review. Maturitas, 211, 109031.DOI: 10.1016/j.maturitas.2026.109031

[5] Tsuboi I et al. (2026). Effect of Lactobacillus-based probiotics on genitourinary syndrome of menopause in post-menopausal women: A systematic review. Maturitas, 208, 108921.DOI: 10.1016/j.maturitas.2026.108921

[6] García-Nicolás M et al. (2026). Dietary (poly)phenols, the gut-brain axis, and menopause: a perspective on an overlooked biological crossroad. Food & Function, 17(9), 3854–3870.DOI: 10.1039/d6fo00429f

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