Frau mit Erschöpfung während eines möglichen Hashimoto Schubs

Hashimoto-Schub: Warum plötzlich alles wieder schlimmer wird

Geschrieben von: Parri Mortazavi

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Veröffentlicht

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Lesezeit 14 min

Kurz zusammengefasst

In diesem Beitrag erfährst du, was wir eigentlich meinen, wenn wir von einem Hashimoto-Schub sprechen und warum dieser Begriff medizinisch gar nicht so eindeutig ist, wie er oft verwendet wird.

Ich zeige dir, warum plötzlich wieder stärkere Beschwerden auftreten können, obwohl deine Schilddrüsenwerte vielleicht unverändert sind, welche Rolle Stress, Schlaf, Eisen, Nährstoffversorgung und die Aufnahme der Schilddrüsenhormone spielen können und warum gerade bei Frauen ab 40 auch Perimenopause und Wechseljahre mitgedacht werden sollten.

Außerdem schauen wir darauf, wann tatsächlich die Schilddrüseneinstellung überprüft werden sollte, warum höhere Antikörper nicht automatisch erklären, wie du dich fühlst, und welche Fragen sinnvoll sind, wenn dein Körper plötzlich wieder vollkommen andere Regeln aufzustellen scheint.

Am Ende sollst du vor allem eines besser einschätzen können: Ist das wirklich ein Hashimoto-Schub oder lohnt es sich, noch an anderer Stelle genauer hinzuschauen?

Hallo ihr Lieben,

wenn man schon viele Jahre mit Hashimoto lebt, kennt man vielleicht diese Phasen, in denen man morgens aufwacht und denkt:

Was ist denn jetzt schon wieder los?

Eigentlich lief es ganz gut. Die Schilddrüsenmedikamente wurden nicht verändert, beim letzten Blutbild sah alles ordentlich aus und plötzlich fühlt sich der Körper trotzdem an, als hätte jemand über Nacht sämtliche Einstellungen verstellt.

Die Energie ist weg, der Kopf fühlt sich wattig an, man friert wieder stärker, schläft schlechter, ist reizbarer oder einfach nur unglaublich erschöpft.

Viele nennen genau das einen Hashimoto-Schub.

Früher habe auch ich diesen Begriff sehr selbstverständlich benutzt. Heute sehe ich ihn etwas differenzierter.

Nicht, weil ich glaube, dass diese Phasen nicht existieren. Ich kenne sie aus meiner eigenen Hashimoto-Geschichte und höre seit vielen Jahren ähnliche Beschreibungen von meinen Patienten.

Aber die entscheidende Frage lautet:

Was ist eigentlich ein Hashimoto-Schub und wissen wir wirklich, was in diesem Moment im Körper passiert?

Genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen.

Was ist ein Hashimoto-Schub?

Der Begriff „Hashimoto-Schub“ wird von Betroffenen sehr häufig verwendet.

Gemeint ist meistens eine Phase, in der bekannte Beschwerden plötzlich wieder stärker werden oder Symptome auftreten, obwohl es vorher über Wochen oder Monate relativ stabil war.

Das kann sich beispielsweise als ausgeprägte Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Kälteempfindlichkeit, Muskel- und Gelenkbeschwerden, trockene Haut, Stimmungsschwankungen oder ein allgemeines Gefühl äußern, körperlich nicht richtig belastbar zu sein.

Viele Frauen sagen dann:

„Ich merke genau, dass mein Hashimoto wieder aktiv ist.“

Und ich verstehe vollkommen, was damit gemeint ist.

Trotzdem müssen wir an dieser Stelle fachlich etwas auseinanderhalten.


Hashimoto Schub Symptome wie Müdigkeit und Brain Fog

Ist der Hashimoto-Schub medizinisch überhaupt definiert?

Hier wird es interessant.

Der Begriff Hashimoto-Schub ist keine klar definierte medizinische Diagnose mit festgelegten Kriterien.

Hashimoto ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem richtet sich gegen Bestandteile des Schilddrüsengewebes und im Verlauf kann die Schilddrüse zunehmend weniger Hormone produzieren.

Aber es gibt keine medizinische Definition, nach der man sagen könnte:

Heute beginnt dein Schub und anhand dieses Laborwertes können wir erkennen, wie stark er ist.

Genau deshalb bin ich heute vorsichtiger mit diesem Begriff.

Das bedeutet nicht, dass eine Frau sich ihre Verschlechterung einbildet. Ganz im Gegenteil.

Es bedeutet lediglich, dass wir genauer hinschauen sollten, warum sie sich plötzlich schlechter fühlt, statt jede Veränderung automatisch als neue Autoimmunaktivität zu bezeichnen.

Nicht jede Phase, in der sich Hashimoto plötzlich wieder lauter anfühlt, bedeutet automatisch, dass die Autoimmunerkrankung gerade stärker geworden ist.

„Nicht jede Phase, in der sich Hashimoto plötzlich wieder lauter anfühlt, bedeutet automatisch, dass die Autoimmunerkrankung gerade stärker geworden ist.“

Parri

Wie kann sich ein sogenannter Hashimoto-Schub anfühlen?

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein.

Manche Frauen beschreiben plötzlich wieder eine starke Müdigkeit. Andere haben das Gefühl, kaum klar denken zu können, schlafen schlechter oder frieren ungewöhnlich stark.

Auch Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden, Verdauungsprobleme, trockene Haut, Haarausfall, Gewichtsschwankungen oder Stimmungstiefs können auftreten.

Das Schwierige daran ist:

Viele dieser Beschwerden sind nicht spezifisch für Hashimoto.

Müdigkeit kann mit der Schilddrüse zusammenhängen, aber genauso mit Eisenmangel, Schlafmangel, Infekten, Stress oder den Wechseljahren.

Herzklopfen kann hormonelle Ursachen haben, aber ebenso durch eine zu hohe Schilddrüsenhormondosis entstehen.

Brain Fog kann bei Schilddrüsenproblemen vorkommen, aber schlechter Schlaf allein reicht manchmal schon aus, um sich am nächsten Morgen zu fühlen, als hätte das Gehirn beschlossen, nur noch im Energiesparmodus zu arbeiten.

Und genau deshalb ist es sinnvoller, nach möglichen Ursachen zu suchen, als alle Beschwerden unter einem einzigen Begriff zusammenzufassen.

Bedeutet ein Schub automatisch mehr Autoimmunaktivität?

Das ist einer der Punkte, die ich heute anders bewerte als früher.

Wenn sich jemand plötzlich schlechter fühlt, wird häufig angenommen, dass die Antikörper gestiegen sind und das Immunsystem gerade besonders stark die Schilddrüse angreift.

So eindeutig lässt sich das wissenschaftlich aber nicht sagen.

TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper helfen bei der Diagnose einer Autoimmunthyreoiditis. Ihre Höhe eignet sich jedoch nicht besonders gut dafür, den täglichen Verlauf der Beschwerden zu beurteilen.

Die American Thyroid Association weist beispielsweise darauf hin, dass wiederholte Antikörpermessungen bei bekannter Hashimoto-Thyreoiditis normalerweise nicht erforderlich sind. Entscheidend für die Kontrolle der Schilddrüsenfunktion ist vor allem die hormonelle Situation.

Das heißt:

Du kannst dich schlechter fühlen, ohne dass wir daraus automatisch eine verstärkte Autoimmunaktivität ableiten können.

Gleichzeitig gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass manche Menschen mit Hashimoto auch bei normalen Schilddrüsenwerten weiterhin Beschwerden haben. In einer systematischen Übersichtsarbeit fand sich häufig ein Zusammenhang zwischen Schilddrüsenautoimmunität und anhaltenden Beschwerden beziehungsweise eingeschränkter Lebensqualität. Daraus lässt sich allerdings noch nicht beweisen, dass die Autoimmunaktivität selbst die Ursache dieser Beschwerden ist.

Und genau diese Unterscheidung finde ich wichtig.

Wir müssen das Befinden ernst nehmen, ohne aus jeder Verschlechterung gleich eine Erklärung zu machen, die wissenschaftlich nicht gesichert ist.

Schilddrüse und mögliche Ursachen eines Hashimoto Schubs

Warum die Schilddrüsenwerte trotzdem überprüft werden sollten

Wenn sich Beschwerden deutlich verändern, gehört die Schilddrüse natürlich trotzdem zu den ersten Dingen, die man sich anschauen sollte.

Denn der Bedarf an Schilddrüsenhormonen kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Auch die Einnahme selbst spielt eine Rolle.

Wird das Medikament immer unter vergleichbaren Bedingungen eingenommen?

Gibt es neue Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel?

Werden Eisen oder Calcium zeitlich zu nah an Levothyroxin eingenommen?

Hat sich die Verdauung verändert?

Wurde die Hormondosis verändert?

Auch Kaffee, bestimmte Nahrungsmittel und Präparate können die Aufnahme von Levothyroxin beeinflussen.

Deshalb würde ich bei einer deutlichen Veränderung des Befindens zunächst überprüfen, ob die Schilddrüseneinstellung noch passt und ob sich rund um die Einnahme etwas verändert hat.

Und trotzdem kommt jetzt das große Aber.


Warum ein normaler TSH-Wert nicht jede Beschwerde erklärt

Das ist einer der Sätze, die viele Menschen mit Hashimoto irgendwann hören:

„Ihre Schilddrüsenwerte sind doch gut.“

Und damit scheint die Sache erledigt.

Nur fühlt sich der Mensch vor dem Laborzettel manchmal überhaupt nicht gut.

Forschungsarbeiten zeigen, dass ein Teil der Menschen mit behandelter Hypothyreose trotz biochemisch normaler Schilddrüsenwerte weiterhin Beschwerden angibt. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 spricht bei behandelten Patienten mit Hypothyreose von etwa 10 bis 15 Prozent mit anhaltenden Beschwerden trotz normalisierter Werte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass automatisch mehr Schilddrüsenhormone benötigt werden.

Im Gegenteil.

Wenn die Werte stimmen und Beschwerden bleiben, sollte man sich auch andere mögliche Ursachen anschauen.

Ein normaler TSH-Wert ist wichtig, aber er beantwortet nicht jede Frage, die eine erschöpfte Frau mit Hashimoto mitbringt.

Genau hier beginnt für mich der ganzheitliche Blick.

Nicht gegen die klassische Medizin, sondern zusätzlich zu einer vernünftigen Schilddrüseneinstellung.

Stress und Nervensystem bei Hashimoto

Stress und Hashimoto: Was wissen wir wirklich??

Stress ist eines der Themen, die beim Hashimoto-Schub sehr schnell genannt werden.

„Ich hatte unglaublich viel Stress und danach kam mein Schub.“

Solche Geschichten höre ich auch in meiner Praxis häufig.

Trotzdem möchte ich auch hier sauber bleiben.

Stress hat nachweisbare Auswirkungen auf Nervensystem, Schlaf, Cortisolregulation, Immunsystem und verschiedene Stoffwechselprozesse. Auch die Schilddrüsenachse kann durch starke körperliche oder psychische Belastungen beeinflusst werden.

Für Hashimoto speziell ist die Datenlage aber deutlich weniger eindeutig, als manche Aussagen im Internet vermuten lassen.

Wir können also nicht sagen:

Stress führt sicher zu einem Hashimoto-Schub.



Wir können aber sehr wohl sagen:

Chronischer Stress kann Müdigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, innere Unruhe und körperliche Erschöpfung verstärken. Und genau diese Beschwerden werden anschließend häufig als Schub wahrgenommen.

Aus meiner praktischen Erfahrung lohnt es sich deshalb immer, die Wochen vor einer Verschlechterung anzuschauen.

War viel los?

Gab es einen Infekt?

Gab es emotionale Belastungen?

Habe ich über längere Zeit schlecht geschlafen?

Habe ich mich körperlich überfordert?

Denn unser Körper interessiert sich herzlich wenig dafür, ob wir Stress offiziell als Stress anerkennen. Er reagiert trotzdem.

„Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Stress und Nervensystem bei Hashimoto.“
→Blogbeitrag

Schlaf und Nervensystem nicht unterschätzen

Schlechter Schlaf wird meiner Meinung nach häufig unterschätzt.

Wenn man über mehrere Nächte oder sogar Wochen nicht richtig schläft, verändert sich unglaublich viel.

Die Stressregulation verändert sich, die Belastbarkeit sinkt, Konzentration und Stimmung leiden und auch Hunger sowie Blutzuckerregulation können sich verändern.

Und plötzlich fühlt sich alles wieder nach Hashimoto an.

Deshalb frage ich bei einer Verschlechterung inzwischen sehr häufig:

Wie hast du in den letzten Wochen geschlafen?

Nicht nur:

Wie hoch ist dein TSH?

Gerade bei Frauen ab 40 bekommt diese Frage noch einmal mehr Bedeutung, denn Schlafprobleme können in der Perimenopause deutlich zunehmen.

Und damit sind wir bereits bei einem Punkt, den man bei vielen Frauen mit Hashimoto irgendwann nicht mehr ignorieren kann.

„Warum Schlaf bei Hashimoto eine so große Rolle spielen kann, erkläre ich ausführlicher in meinem Beitrag Schlafprobleme bei Hashimoto.“
→ Ratgeber

Hashimoto und Wechseljahre bei Frauen ab 40

Hashimoto-Schub oder Wechseljahre?

Das ist inzwischen ein Thema, das mir besonders wichtig ist.

Viele Frauen leben seit Jahren oder Jahrzehnten mit Hashimoto und kennen ihren Körper eigentlich ziemlich gut.

Dann kommen sie in die 40er und plötzlich funktioniert dieses vertraute System nicht mehr so wie früher.

Der Schlaf wird schlechter.

Die Stimmung schwankt stärker.

Das Herz klopft manchmal.

Das Gewicht reagiert anders.

Man schwitzt plötzlich stärker.

Die Konzentration lässt nach.

Die Belastbarkeit verändert sich.

Und sehr schnell entsteht der Gedanke:

Meine Schilddrüse ist wieder schlechter eingestellt.

Das kann sein und sollte überprüft werden.

Aber es können gleichzeitig bereits Veränderungen der Perimenopause dahinterstecken.

Die European Menopause and Andropause Society hat 2024 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich Beschwerden von Schilddrüsenerkrankungen und Wechseljahren überschneiden können und dadurch diagnostische Schwierigkeiten entstehen.

Das finde ich für Frauen mit Hashimoto enorm wichtig.

Denn es ist genauso wenig sinnvoll, jede neue Beschwerde ab 40 als Wechseljahrssymptom abzutun, wie alles weiterhin ausschließlich auf Hashimoto zu schieben.

Gerade ab 40 lohnt sich der doppelte Blick: auf die Schilddrüse und auf die neue hormonelle Lebensphase der Frau.

Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich heute neben meinem Blog „Leben mit Hashimoto“ immer mehr über „Wissen für Frauen ab 40“ schreibe.

Hashimoto verschwindet schließlich nicht, nur weil die Perimenopause beginnt.

Aber plötzlich sitzt die Schilddrüse hormonell nicht mehr alleine am Tisch.

Eisen, Vitamin B12 und andere Nährstoffe mitdenken

Wenn Müdigkeit, Haarausfall, Konzentrationsprobleme oder eine deutlich geringere Belastbarkeit auftreten, würde ich auch die Nährstoffversorgung nicht vergessen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, auf Verdacht immer mehr Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

Im Gegenteil.

Gerade Eisenmangel kann Beschwerden verursachen, die sich teilweise mit Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion überschneiden.

Je nach Beschwerden, Ernährung, Blutungsverhalten und Vorgeschichte können deshalb beispielsweise Blutbild und Eisenstatus sinnvoll sein. Auch Vitamin B12, Folat oder Vitamin D können je nach individueller Situation eine Rolle spielen.

Bei Frauen in der Perimenopause denke ich besonders an Eisen.

Denn in dieser Phase können Blutungen bei manchen Frauen zeitweise deutlich stärker werden. Ein Eisenmangel kann wiederum Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsprobleme verstärken.

Und schon haben wir wieder eine Frau, die verständlicherweise denkt:

„Mein Hashimoto ist schlimmer geworden.“

Dabei können mehrere Dinge gleichzeitig zusammenspielen.

„Ein normaler TSH-Wert ist wichtig, aber er beantwortet nicht jede Frage, die eine erschöpfte Frau mit Hashimoto mitbringt.“

Parri

Darm und Aufnahme der Schilddrüsenhormone

Auch die Verdauung gehört für mich in das Gesamtbild.

Nicht weil heute selbstverständlich der Darm an allem schuld sein muss, sobald im Körper irgendwo etwas zwickt.

Aber Schilddrüsenhormone müssen aufgenommen werden.

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Veränderungen der Ernährung, Medikamente oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können die Aufnahme von Levothyroxin beeinflussen.

Hashimoto tritt außerdem häufiger gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, darunter beispielsweise Zöliakie.

Bei neu auftretenden oder ausgeprägten Verdauungsproblemen kann deshalb eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.

Auch hier gilt:

Nicht automatisch selbst diagnostizieren.

Aber Zusammenhänge kennen.

Was kann hinter einem vermeintlichen Hashimoto-Schub stecken?

Wenn es dir plötzlich schlechter geht, würde ich nicht sofort versuchen, zehn Dinge gleichzeitig zu verändern.

Ich würde zunächst sortieren.

Schau dir an, ob sich etwas an deiner Schilddrüsenmedikation oder deren Einnahme verändert hat. Überlege, ob du in den vergangenen Wochen ungewöhnlich viel Stress hattest oder schlechter geschlafen hast. Gab es einen Infekt? Haben sich deine Blutungen verändert? Bist du möglicherweise bereits in der Perimenopause? Gibt es neue Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel? Haben sich Ernährung oder Verdauung verändert?

Und dann würde ich bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden nicht raten, sondern gezielt untersuchen.

Denn zehn neue Kapseln machen aus einer unklaren Situation selten eine klarere.

Muss ich bei einem Hashimoto-Schub meine Schilddrüsenhormone erhöhen?

Das würde ich nicht ohne Laborwerte und medizinische Beurteilung machen.

Beschwerden allein reichen nicht aus, um die Schilddrüsenhormondosis zu verändern.

Eine zu hohe Hormondosis kann ebenfalls Beschwerden verursachen, darunter Herzklopfen, innere Unruhe, Schwitzen oder Schlafprobleme.

Und ausgerechnet diese Symptome können dann wiederum als neuer „Schub“ interpretiert werden.

Der Körper besitzt leider keinen kleinen Aufkleber auf der Stirn, auf dem steht:

Heute bitte 12,5 Mikrogramm mehr.

Deshalb gehören Veränderungen der Schilddrüsenmedikation in eine fachlich begleitete Einstellung.

Was du tun kannst, wenn es dir plötzlich schlechter geht

Mein erster Schritt wäre nicht Aktionismus, sondern Beobachtung.

  • Wann haben die Beschwerden begonnen?
  • Was hat sich davor verändert?
  • Wie schläfst du?
  • Wie ist deine Belastung?
  • Wie ist dein Zyklus?
  • Gibt es stärkere Blutungen?
  • Gab es einen Infekt?
  • Wie nimmst du deine Schilddrüsenhormone ein?
  • Welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sind neu hinzugekommen?

Diese Fragen klingen unspektakulär, liefern aber manchmal mehr Informationen als die verzweifelte Suche nach „dem einen Hashimoto-Trigger“.

Wenn Beschwerden anhalten oder deutlich stärker sind, sollten die Schilddrüsenwerte kontrolliert und je nach Symptomatik weitere Ursachen abgeklärt werden.

Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis tatsächlich:

Die Schilddrüse ist gut eingestellt.

Dann dürfen wir anfangen, an anderer Stelle weiterzusuchen.

„Gerade ab 40 lohnt sich der doppelte Blick: auf die Schilddrüse und auf die neue hormonelle Lebensphase der Frau.“

Parri

Wann Beschwerden medizinisch abgeklärt werden sollten

Nicht jedes schlechte Wochenende braucht ein komplettes medizinisches Untersuchungsprogramm.

Aber neue, starke oder ungewöhnliche Beschwerden sollte man nicht automatisch unter „Hashimoto-Schub“ ablegen.

Besonders Herzrhythmusstörungen, ausgeprägte Atemnot, starke Kreislaufprobleme, neurologische Beschwerden, deutliche Veränderungen am Hals oder eine starke Verschlechterung des Allgemeinzustandes gehören medizinisch abgeklärt.

Auch bei Beschwerden, die über längere Zeit anhalten oder zunehmend stärker werden, sollte nach der Ursache gesucht werden.

Ein Hashimoto-Schub darf niemals zu einer Schublade werden, in die wir alles hineinwerfen, wofür wir gerade keine andere Erklärung haben.

Mein persönliches Fazit

Nach so vielen Jahren mit Hashimoto sehe ich den Begriff Hashimoto-Schub heute anders als früher.

Ich würde niemals einer Frau sagen:

„Das bildest du dir nur ein, deine Werte sind doch gut.“

Dafür habe ich selbst viel zu oft erlebt, dass Labor und Befinden nicht so wunderbar ordentlich zusammenpassen, wie wir es manchmal gerne hätten.

Aber ich würde heute auch nicht mehr jede schlechtere Phase automatisch als verstärkten Angriff des Immunsystems auf die Schilddrüse bezeichnen.

  • Denn vielleicht ist die Schilddrüse tatsächlich schlechter eingestellt.
  • Vielleicht fehlt Eisen.
  • Vielleicht schlafe ich seit Wochen schlecht.
  • Vielleicht stecke ich mitten in der Perimenopause.
  • Vielleicht war mein Nervensystem über Monate im Dauereinsatz.
  • Oder vielleicht kommen mehrere dieser Dinge gleichzeitig zusammen.

Genau deshalb ist mein Blick auf Hashimoto über die Jahre immer breiter geworden.

Die Schilddrüse bleibt wichtig.

Aber sie arbeitet nicht alleine.

Und manchmal besteht die beste Hilfe nicht darin, noch mehr zu tun, sondern erst einmal herauszufinden, was der Körper gerade tatsächlich braucht.


Herzlich

Parri

Parri Mortazavi erklärt Zusammenhänge bei Hashimoto

FAQ zum Hashimoto-Schub

Was ist ein Hashimoto-Schub?

Der Begriff wird häufig für Phasen verwendet, in denen bekannte Beschwerden plötzlich stärker werden. Medizinisch gibt es jedoch keine einheitlich definierte Diagnose „Hashimoto-Schub“ mit festen Kriterien.

Wie fühlt sich ein Hashimoto-Schub an?


Betroffene beschreiben unter anderem Müdigkeit, Brain Fog, Kälteempfindlichkeit, Muskel- oder Gelenkbeschwerden, trockene Haut, Stimmungsschwankungen oder eine geringere Belastbarkeit. Diese Beschwerden können jedoch viele unterschiedliche Ursachen haben.


Wie lange dauert ein Hashimoto-Schub?


Da ein Hashimoto-Schub medizinisch nicht eindeutig definiert ist, gibt es auch keine festgelegte Dauer. Entscheidend ist deshalb, bei länger anhaltenden Beschwerden nach möglichen Ursachen zu suchen.


Steigen bei einem Hashimoto-Schub die Antikörper?


Das lässt sich nicht allgemein sagen. Die Höhe der Schilddrüsenantikörper entspricht nicht zuverlässig der Stärke aktueller Beschwerden. Bei bekannter Hashimoto-Thyreoiditis sind regelmäßige Antikörpermessungen normalerweise nicht erforderlich.


Kann Stress einen Hashimoto-Schub auslösen?


Stress beeinflusst Nervensystem, Schlaf, Stoffwechsel, Immunsystem und hormonelle Regulationssysteme. Für Hashimoto ist jedoch nicht ausreichend belegt, dass Stress direkt einen klar definierten „Schub“ auslöst. Er kann Beschwerden allerdings deutlich verstärken.


Kann man einen Hashimoto-Schub trotz normalem TSH haben?


Menschen mit Hashimoto beziehungsweise behandelter Hypothyreose können trotz biochemisch normaler Schilddrüsenwerte Beschwerden haben. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Schilddrüse die Ursache ist. Andere mögliche Auslöser sollten ebenfalls berücksichtigt werden.


Können die Wechseljahre wie ein Hashimoto-Schub wirken?

Ja. Müdigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, Veränderungen des Gewichts oder Herzklopfen können sowohl im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen als auch während der Perimenopause auftreten. Gerade Frauen ab 40 sollten deshalb beide Bereiche im Blick behalten.

parri mortazavi heilpraktikerin und hashifit Gründerin

Parri Mortazavi

Heilpraktikerin und Gründerin von Hashifit

Seit über 23 Jahren begleite ich Menschen in meiner naturheilkundlichen Praxis, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Hashimoto, Schilddrüse, Stoffwechsel und hormonellen Veränderungen bei Frauen.

Hashimoto begleitet mich selbst seit mehr als 40 Jahren. Ich kenne deshalb nicht nur die fachliche Seite, sondern auch die Erfahrung, vor Laborwerten zu sitzen, die angeblich in Ordnung sind, während der eigene Körper etwas anderes erzählt.

In meiner Arbeit verbinde ich naturheilkundliche Erfahrung, Traditionelle Chinesische Medizin, orthomolekulare Medizin, Ernährung, Schlaf, Stressregulation und hormonelle Lebensphasen mit dem Blick auf aktuelle wissenschaftliche Forschung.

Dabei ist mir besonders wichtig, ehrlich zu unterscheiden: Was wissen wir? Was beobachten wir in der Praxis? Und wo gibt es Zusammenhänge, die interessant sind, aber wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt wurden?

Mehr über mich und meine Arbeit →

Quellen und wissenschaftliche Grundlage

National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Hashimoto’s Disease.
Übersicht zu Hashimoto, Symptomen, Diagnose und Behandlung.

American Thyroid Association, Hashimoto’s Thyroiditis.
Informationen zur Diagnose, Therapie und zur Bedeutung von Schilddrüsenantikörpern im Verlauf.

Groenewegen KL et al. Persisting symptoms in patients with Hashimoto’s disease despite normal thyroid hormone levels: Does thyroid autoimmunity play a role? A systematic review. Journal of Translational Autoimmunity. 2021.
Die Übersichtsarbeit fand in einem Großteil der eingeschlossenen Studien einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenautoimmunität und anhaltenden Beschwerden beziehungsweise geringerer Lebensqualität, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass daraus keine Kausalität bewiesen werden kann.

Hidalgo J et al. Interventions to improve symptomatology in patients with hypothyroidism and persistent symptoms: A systematic review. Endocrine. 2024.
Die Autoren beschreiben, dass ein Teil der behandelten Patienten trotz normalisierter Schilddrüsenwerte weiterhin Beschwerden angibt.

Mintziori G et al. EMAS position statement: Thyroid disease and menopause. Maturitas. 2024.
Das Positionspapier beschreibt ausdrücklich die Überschneidung von Symptomen der Schilddrüsenerkrankungen und der Wechseljahre und die daraus entstehenden diagnostischen Herausforderungen.

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder individuelle Behandlung. Neue, starke oder anhaltende Beschwerden sollten fachlich abgeklärt werden. Schilddrüsenhormone sollten nicht eigenständig aufgrund von Symptomen erhöht, reduziert oder abgesetzt werden.

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