Östrogen ab 40: Warum dieses Hormon plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt
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irgendwann zwischen 40 und 50 passiert bei vielen Frauen etwas, das sich zunächst gar nicht so leicht einordnen lässt, weil der Körper nicht plötzlich von einem Tag auf den anderen sagt: Jetzt beginnen die Wechseljahre, sondern sich ganz langsam, manchmal fast unmerklich, verändert.
Vielleicht schläfst du plötzlich schlechter, obwohl du früher nie Probleme hattest, vielleicht wird die Regelblutung stärker oder kürzer, vielleicht wachst du nachts auf und fragst dich, warum dir auf einmal viel zu warm ist, während dein Partner friedlich neben dir schläft und offenbar keinerlei Probleme mit seiner inneren Klimaanlage hat.
Andere Frauen erzählen mir, dass sie dünnhäutiger geworden sind, sich nicht mehr so belastbar fühlen wie früher, häufiger erschöpft sind oder plötzlich das Gefühl haben, dass der eigene Körper nicht mehr ganz so zuverlässig funktioniert wie noch vor ein paar Jahren.
Und ziemlich häufig fällt dann dieser Satz:
„Aber ich habe doch meine Periode noch.“
Genau deshalb möchte ich heute über Östrogen sprechen, denn die Wechseljahre beginnen nicht erst dann, wenn die Menstruation irgendwann endgültig ausbleibt, und Östrogen ist auch nicht einfach nur dieses eine Frauenhormon, das irgendwann weniger wird und dann für Hitzewallungen verantwortlich ist.
Unser Hormonsystem funktioniert deutlich komplexer, und wenn man einmal verstanden hat, was sich ungefähr ab 40 verändern kann, ergibt plötzlich vieles mehr Sinn.
Kurz zusammengefasst
Östrogen ist weit mehr als ein Hormon für Zyklus und Fruchtbarkeit. Schon ab etwa 40 können die Hormonspiegel stärker schwanken, obwohl die Regelblutung noch vorhanden ist. Eine Hormontherapie muss nicht für jede Frau sinnvoll sein, kann aber bei passenden Beschwerden und nach individueller Abwägung eine wichtige Möglichkeit sein, Lebensqualität zu erhalten. Dabei spielen Zeitpunkt, Dosis, Art des Östrogens und der Aufnahmeweg eine entscheidende Rolle.
Inhaltsangabe
Wenn wir im Alltag von Östrogen sprechen, tun wir meistens so, als wäre das ein einziges Hormon, tatsächlich handelt es sich aber um eine ganze Gruppe von Hormonen, von denen vor allem Estradiol während unserer fruchtbaren Jahre eine wichtige Rolle spielt.
Dieses Estradiol, genauer gesagt 17 Beta Estradiol, ist das Hormon, über das wir im Zusammenhang mit den Wechseljahren besonders häufig sprechen, daneben gibt es unter anderem Estron und Estriol, die ebenfalls zur Gruppe der Östrogene gehören, aber in unterschiedlichen Lebensphasen eine andere Bedeutung haben.
Was ich dabei immer wieder wichtig finde, ist die Tatsache, dass Estradiol nicht ausschließlich dafür da ist, einen Zyklus zu ermöglichen oder eine Schwangerschaft vorzubereiten, sondern dass sich Östrogenrezeptoren an vielen verschiedenen Stellen unseres Körpers befinden, unter anderem im Gehirn, in den Knochen, an Blutgefäßen, in der Haut, in Schleimhäuten und im Bereich der Harnwege.
Das bedeutet nicht, dass Östrogen allein all diese Organe steuert, denn unser Körper arbeitet niemals so einfach, aber es erklärt, warum hormonelle Veränderungen sich an ganz unterschiedlichen Stellen bemerkbar machen können und warum zwei Frauen im gleichen Alter völlig verschiedene Beschwerden haben können.
Die eine schläft schlechter, die andere bekommt Hitzewallungen, eine dritte bemerkt vaginale Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, während die nächste vor allem sagt, dass sie sich irgendwie nicht mehr ganz wie sie selbst fühlt.
Natürlich können all diese Beschwerden viele andere Ursachen haben, aber genau deshalb lohnt es sich ab einem bestimmten Alter, die hormonelle Situation mitzudenken und nicht alles automatisch nur auf Stress, Alter oder Psyche zu schieben.
Östrogen ist nicht nur ein Hormon für unsere Fruchtbarkeit, sondern ein wichtiger Signalstoff, der in vielen Bereichen unseres Körpers mitredet.
Weil unsere Eierstöcke nicht eines Morgens beschließen, ihre Arbeit einzustellen, sondern weil sich die hormonellen Abläufe über Jahre hinweg verändern und diese Veränderungen gerade am Anfang alles andere als gleichmäßig verlaufen.
Das ist einer der Punkte, die viele Frauen überraschen, denn gerade in der Perimenopause sinkt das Östrogen nicht einfach langsam und kontinuierlich ab, sondern kann teilweise stark schwanken, sodass eine Frau in einem Zyklus relativ hohe Estradiolwerte haben kann und im nächsten deutlich niedrigere.
Gleichzeitig werden Eisprünge unregelmäßiger, wodurch sich auch die Progesteronproduktion verändert, und dadurch entsteht eine hormonelle Situation, die sich für manche Frauen fast so anfühlt, als würde der eigene Körper plötzlich seine eigenen Regeln schreiben.
Ich vergleiche das manchmal mit einem Orchester, bei dem alle Musiker grundsätzlich noch da sind, aber der Einsatz nicht mehr immer stimmt, der eine etwas zu früh beginnt, der andere später einsetzt und plötzlich klingt das gesamte Stück anders, obwohl eigentlich noch alle Instrumente vorhanden sind.
Genau deshalb können Beschwerden kommen und wieder verschwinden, weshalb manche Frauen eine Zeit lang schlecht schlafen, danach wieder wochenlang Ruhe haben und später plötzlich mit Hitzewallungen, stärkeren Blutungen oder Stimmungsschwankungen zu tun bekommen.
Und genau hier wird das Thema Östrogen ab 40 interessant, nicht weil jede Frau in diesem Alter einen Hormonmangel hat und schon gar nicht, weil jede Frau Hormone nehmen sollte, sondern weil es hilfreich ist zu verstehen, dass sich im Hintergrund bereits einiges verändern kann, obwohl die Menstruation noch vorhanden ist.
„Die Wechseljahre beginnen nicht mit der letzten Regelblutung, denn unser Körper verändert sich häufig schon Jahre vorher.“„Auch das Verhältnis wichtiger Nährstoffe wie Eisen, Selen, Zink und Jod kann beeinflussen, wie gut deine Schilddrüse arbeitet und Schilddrüsenhormone im Körper genutzt werden.“
Diese Begriffe werden so häufig durcheinandergebracht, dass ich manchmal glaube, selbst die Wechseljahre hätten irgendwann aufgehört zuzuhören.
Deshalb machen wir es einfach.
Die Prämenopause beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch die Zeit vor der eigentlichen Menopausentransition, also die Jahre, in denen eine Frau noch regelmäßige Zyklen hat, Eisprünge stattfinden und die hormonellen Veränderungen noch nicht deutlich spürbar geworden sind.
Irgendwann beginnt jedoch die Perimenopause, und genau in dieser Phase verändert sich das Zusammenspiel der Hormone zunehmend, Zyklen werden kürzer oder länger, Eisprünge können ausbleiben, Blutungen verändern sich und Beschwerden tauchen auf, obwohl die Frau häufig noch ihre Periode bekommt.
Gerade das führt immer wieder zu Missverständnissen, denn noch immer hören Frauen Aussagen wie: „Sie menstruieren doch noch, das können die Wechseljahre nicht sein.“
Doch, genau das können sie.
Die Perimenopause kann mehrere Jahre dauern, und gerade diese Phase ist häufig die unruhigste, weil die Hormonspiegel noch stark schwanken und nicht einfach nur niedrig sind.
Die Menopause selbst ist dagegen keine mehrjährige Phase, sondern bezeichnet genau genommen den Zeitpunkt der letzten spontanen Regelblutung, wobei man natürlich erst rückblickend weiß, dass es tatsächlich die letzte war.
Wenn zwölf Monate lang keine weitere Menstruation aufgetreten ist und keine andere Ursache dafür vorliegt, spricht man rückblickend von der Menopause, die im Durchschnitt ungefähr um das 51. Lebensjahr herum stattfindet.
Danach beginnt die Postmenopause, und genau hier finde ich es wichtig, sich einmal bewusst zu machen, wie lang dieser Lebensabschnitt eigentlich ist.
Eine Frau, die mit ungefähr 51 ihre Menopause erlebt und 85 Jahre alt wird, verbringt mehr als drei Jahrzehnte ihres Lebens postmenopausal, und deshalb ist es aus meiner Sicht ziemlich erstaunlich, dass Frauengesundheit so lange fast ausschließlich auf Östrogen und Fruchtbarkeit reduziert wurde.
Nach der Menopause produzieren die Eierstöcke deutlich weniger Estradiol und Progesteron, und damit verändert sich die hormonelle Situation noch einmal grundlegend, weil aus den starken Schwankungen der Jahre davor zunehmend ein dauerhaft niedrigeres hormonelles Niveau wird.
Das wiederum kann Auswirkungen auf Knochen, Schleimhäute, den Urogenitalbereich und andere Gewebe haben, weshalb die Postmenopause medizinisch eben nicht einfach nur bedeutet, dass die Periode aufgehört hat.
Die Wechseljahre beginnen nicht mit der letzten Regelblutung, sondern entwickeln sich über Jahre, und genau deshalb lohnt es sich, schon ab 40 zu verstehen, was im eigenen Körper passiert.
Wer ungefähr in meinem Alter ist, erinnert sich vielleicht noch daran, wie sich die Stimmung gegenüber einer systemischen Hormontherapie Anfang der 2000er Jahre verändert hat.
Nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der großen Women's Health Initiative im Jahr 2002 entstand bei vielen Frauen und auch bei Ärzten große Unsicherheit, Hormone wurden deutlich zurückhaltender verschrieben und bei vielen blieb vor allem eine Botschaft hängen, nämlich dass Hormone gefährlich seien.
Diese Angst kam nicht völlig aus dem Nichts, aber in den Jahren danach begann man die Daten immer genauer zu betrachten und festzustellen, dass die Situation deutlich komplexer war.
Man schaute sich an, wie alt die Frauen beim Beginn der Hormontherapie waren, wie lange ihre Menopause bereits zurücklag, welche Hormone eingesetzt wurden, ob Östrogen allein oder gemeinsam mit einem Gestagen gegeben wurde und auf welchem Weg die Hormone in den Körper gelangten.
Je genauer man hinsah, desto deutlicher wurde, dass man sehr unterschiedliche Therapien und sehr unterschiedliche Frauengruppen nicht einfach in einen einzigen großen Topf werfen kann.
Und genau an diesem Punkt hat sich unser Blick auf die Hormontherapie in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
„Östrogen ist für mich kein Wundermittel, aber es ist viel zu wichtig, um es nur auf Hitzewallungen und Fruchtbarkeit zu reduzieren.“
Ich finde es wichtig, an dieser Stelle nicht so zu tun, als hätte es im Jahr 2025 diese eine große Studie gegeben, die plötzlich bewiesen hätte, dass alles, was wir vorher wussten, falsch gewesen sei, denn so funktioniert Forschung selten.
Was 2025 vielmehr erschienen ist, sind neue Übersichtsarbeiten und Neubewertungen, in denen die vorhandenen Daten noch einmal genauer betrachtet wurden, und gerade diese Arbeiten zeigen sehr schön, wie differenziert wir heute über eine Hormontherapie sprechen müssen.
Eine wichtige Übersichtsarbeit von Annice Mukherjee und Susan Davis aus dem Jahr 2025 fasste den aktuellen Stand zur menopausalen Hormontherapie zusammen und kam zu dem Schluss, dass eine Hormontherapie bei entsprechender Indikation sehr wirksam gegen Wechseljahresbeschwerden sein kann und darüber hinaus in der Lebensmitte eine wichtige Rolle für die Knochengesundheit spielen kann.
Gleichzeitig betonen die Autorinnen, dass nicht einfach irgendein Hormon für irgendeine Frau verwendet werden sollte, sondern dass Art des Hormons, Dosis, Anwendungsweg, Alter, Zeitpunkt des Therapiebeginns und persönliche Risiken gemeinsam betrachtet werden müssen.
Interessant finde ich außerdem, dass heute nicht mehr automatisch gesagt wird, eine Hormontherapie müsse nach einer bestimmten Anzahl von Jahren beendet werden, sondern dass vielmehr regelmäßig geprüft werden soll, ob der Nutzen für die einzelne Frau weiterhin größer ist als die möglichen Risiken.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied zu früher, denn Medizin funktioniert selten gut mit einer Eieruhr.
Wenn heute über eine systemische Hormontherapie gesprochen wird, taucht immer wieder das sogenannte Timing Konzept auf, bei dem es darum geht, wann eine Therapie begonnen wird und wie weit die Frau zu diesem Zeitpunkt bereits von ihrer Menopause entfernt ist.
Bei gesunden Frauen mit belastenden Wechseljahresbeschwerden wird die Nutzen Risiko Bilanz im Allgemeinen günstiger eingeschätzt, wenn die Behandlung vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von ungefähr zehn Jahren nach der Menopause begonnen wird.
Das bedeutet natürlich nicht, dass am sechzigsten Geburtstag plötzlich eine unsichtbare Schranke heruntergeht und Hormone ab diesem Zeitpunkt grundsätzlich verboten wären, sondern lediglich, dass Alter, Gefäßgesundheit und der zeitliche Abstand zur Menopause in die Entscheidung einbezogen werden müssen.
Und genau deshalb finde ich das Wissen ab 40 so wichtig, denn eine Frau sollte nicht erst viele Jahre nach ihrer Menopause anfangen, sich mit der Frage zu beschäftigen, was damals eigentlich in ihrem Körper passiert ist.
Der Begriff klingt komplizierter, als er tatsächlich ist.
Systemisch bedeutet im Grunde nur, dass ein Hormon so angewendet wird, dass es in relevanter Menge in den Blutkreislauf gelangt und dadurch im gesamten Körper wirken kann.
Estradiol kann beispielsweise als Gel, Pflaster oder Spray über die Haut aufgenommen werden oder als Tablette geschluckt werden, wobei diese verschiedenen Wege nicht völlig gleich sind.
Wird Estradiol oral eingenommen, gelangt es über den Darm zunächst zur Leber, wo es einen sogenannten First Pass Effekt durchläuft, während Estradiol, das über die Haut aufgenommen wird, diesen ersten Leberdurchgang umgeht und direkt in den Blutkreislauf gelangt.
Genau deshalb wird heute viel häufiger über transdermales Estradiol gesprochen, also über Pflaster, Gel oder Spray, denn der Verabreichungsweg kann unter anderem beim Thromboserisiko eine Rolle spielen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Pflaster automatisch für jede Frau die beste Lösung ist, aber es zeigt sehr schön, warum die einfache Frage „Sind Hormone gefährlich?“ heute eigentlich gar nicht mehr sinnvoll gestellt ist.
Die bessere Frage lautet:
Welches Hormon wird verwendet, in welcher Dosis, auf welchem Weg, bei welcher Frau und zu welchem Zeitpunkt?
Auch hier lohnt es sich, die Begriffe einmal auseinanderzunehmen, weil „naturidentisch“ zwar sehr schön klingt, aber schnell den Eindruck vermittelt, als wäre allein schon das Wort „natürlich“ ein Qualitätssiegel.
Ich verwende deshalb lieber den Begriff körperidentisches Östrogen.
Körperidentisches Estradiol besitzt dieselbe molekulare Struktur wie das Estradiol, das der weibliche Körper selbst bildet, und genau das ist der entscheidende Punkt.
Es geht nicht darum, ob ein Ausgangsstoff irgendwann einmal aus einer Pflanze gewonnen wurde, sondern darum, welches Molekül am Ende tatsächlich eingesetzt wird.
Solche körperidentischen Estradiolpräparate gibt es als regulär zugelassene Arzneimittel, beispielsweise als Gel oder Pflaster, und sie sollten nicht automatisch mit individuell in Apotheken zusammengemischten sogenannten bioidentischen Hormonmischungen gleichgesetzt werden.
Das American College of Obstetricians and Gynecologists weist ausdrücklich darauf hin, dass zugelassene körperidentische Hormone wie Estradiol und mikronisiertes Progesteron zur Verfügung stehen und individuell hergestellte Mischungen nicht automatisch sicherer oder besser sind.
Gerade bei Dosierungsgenauigkeit und wissenschaftlicher Datenlage gibt es hier Unterschiede, und deshalb finde ich es wichtig, den Begriff „natürlich“ nicht mit „harmlos“ oder „überlegen“ gleichzusetzen.
2025 erschien eine weitere interessante Übersichtsarbeit zu Estradiol und mikronisiertem Progesteron, und genau diese Arbeit zeigt sehr schön, warum wir heute genauer zwischen verschiedenen Hormonmolekülen unterscheiden.
17 Beta Estradiol entspricht strukturell dem Estradiol des menschlichen Körpers, mikronisiertes Progesteron entspricht unserem körpereigenen Progesteron, während synthetische Gestagene eigene pharmakologische Eigenschaften besitzen können.
Deshalb ist die Aussage „Hormone sind Hormone“ ungefähr so hilfreich wie „Autos sind Autos“.
Formal stimmt es irgendwie.
In der Praxis hilft es uns allerdings kaum weiter.
Die Autoren der Übersichtsarbeit von 2025 untersuchten unter anderem, wie sich unterschiedliche Hormonkombinationen auf Gebärmutterschleimhaut, Knochen, Gefäßrisiken, Brust, Stoffwechsel und Lebensqualität auswirken können, und gerade daraus wird deutlich, warum moderne Hormontherapie viel differenzierter betrachtet werden muss als früher.
Wenn eine Frau ihre Gebärmutter noch hat und systemisches Östrogen bekommt, muss die Gebärmutterschleimhaut in der Regel geschützt werden, weil Estradiol ihr Wachstum anregen kann.
Würde man über längere Zeit systemisches Östrogen ohne ausreichenden Schutz geben, könnte sich das Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut erhöhen, weshalb üblicherweise zusätzlich Progesteron oder ein geeignetes Gestagen eingesetzt wird.
Nach vollständiger Entfernung der Gebärmutter kann die Situation anders aussehen und eine reine Östrogentherapie infrage kommen.
Das ist schon fast ein eigener Artikel wert, denn Progesteron verändert sich bei vielen Frauen bereits früh in der Perimenopause und spielt gerade beim Thema Schlaf, Zyklus und Stimmung eine spannende Rolle.
Aber heute bleiben wir beim Östrogen, sonst landen wir am Ende bei 40 Seiten und keiner weiß mehr, wie wir eigentlich angefangen haben.
Auch das wird häufig verwechselt.
Wenn eine Frau nach der Menopause beispielsweise unter vaginaler Trockenheit, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrenden Beschwerden im Bereich der Harnwege leidet, kann lokales Östrogen sinnvoll sein.
Dabei wird in erster Linie das Gewebe vor Ort behandelt, während eine systemische Estradioltherapie darauf ausgerichtet ist, dass das Hormon in relevanter Menge in den Blutkreislauf gelangt und dadurch im gesamten Körper wirken kann.
Deshalb kann eine Frau lokales Östrogen benötigen, ohne gleichzeitig eine systemische Hormontherapie zu brauchen, während eine andere Frau systemische Beschwerden hat und deshalb eine ganz andere Behandlung benötigt.
Auch hier gibt es also nicht die eine richtige Lösung für alle.
„Gute Frauenmedizin bedeutet nicht, Hormone grundsätzlich abzulehnen oder grundsätzlich zu verschreiben, sondern die Frau anzuschauen, die vor uns sitzt.“
Bei den Knochen ist die Datenlage vergleichsweise klar, denn wenn der Östrogenspiegel nach der Menopause deutlich sinkt, beschleunigt sich bei vielen Frauen der Knochenabbau.
Östrogen spielt eine wichtige Rolle im Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau, und eine systemische Hormontherapie kann den Verlust an Knochenmasse verringern und damit auch das Frakturrisiko beeinflussen.
Die Übersichtsarbeit von 2025 hebt diesen Zusammenhang ausdrücklich hervor, und gerade deshalb gehört die Knochengesundheit für mich unbedingt in die Gesamtbetrachtung einer Frau in der Lebensmitte.
Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass Knochen nicht allein von Hormonen leben, sondern Bewegung, Krafttraining, Eiweißversorgung, Vitamin D und andere Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Der Körper liebt Zusammenhänge, auch wenn wir Menschen ihn aus organisatorischen Gründen gern in einzelne Schubladen zerlegen.
Hier wird es besonders spannend, weil Östrogen auch im Nervensystem wirkt und seit vielen Jahren untersucht wird, ob hormonelle Veränderungen Einfluss auf die spätere Gehirngesundheit haben könnten.
Diese Forschung ist interessant, aber sie darf nicht vorschnell in die Aussage verwandelt werden, dass Östrogen Demenz verhindert.
Ende 2025 erschien eine große systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse mit Daten von mehr als einer Million Frauen, und das Ergebnis war deutlich nüchterner, als manche Schlagzeilen vermuten lassen.
Insgesamt fand sich kein eindeutiger Nachweis dafür, dass eine menopausale Hormontherapie das Risiko für Demenz oder leichte kognitive Einschränkungen klar senkt oder erhöht.
Deshalb lautet die aktuelle Schlussfolgerung, dass eine Hormontherapie nicht allein mit dem Ziel eingesetzt werden sollte, eine Demenz zu verhindern.
Und genau diese Art von Differenzierung ist mir wichtig, denn wir müssen Forschung weder kleiner machen, als sie ist, noch größer.
Wir wissen heute mehr als vor zwanzig Jahren, aber wir wissen eben noch nicht alles.
Auch hier gilt, dass eine Hormontherapie nicht grundsätzlich verschrieben wird, um einen Herzinfarkt oder eine andere Herz Kreislauf Erkrankung zu verhindern.
Gleichzeitig wissen wir heute, dass Alter, Zeitpunkt des Therapiebeginns, Dosis, verwendetes Hormon und Anwendungsweg eine Rolle spielen können, weshalb man auch hier nicht einfach von „Hormonen“ sprechen kann, als wäre jede Therapie identisch.
Die Situation einer gesunden 49 jährigen Frau in der Perimenopause ist medizinisch nun einmal eine andere als die einer Frau, die mit 68 zum ersten Mal eine systemische Hormontherapie beginnen möchte und bereits Gefäßerkrankungen hat.
Das klingt banal, wurde aber erstaunlich lange nicht ausreichend berücksichtigt.
Auch dieses Thema gehört selbstverständlich in einen ehrlichen Artikel, denn es wäre unseriös, nur über mögliche Vorteile zu sprechen und die Risiken elegant im Kleingedruckten verschwinden zu lassen.
Das Brustkrebsrisiko kann sich unter einer Hormontherapie verändern, wobei es eine Rolle spielt, ob Östrogen allein oder gemeinsam mit einem Gestagen eingesetzt wird, welche Präparate verwendet werden, wie lange eine Behandlung erfolgt und welche persönlichen oder familiären Risikofaktoren bestehen.
Eine reine Östrogentherapie nach Entfernung der Gebärmutter hat beispielsweise nicht automatisch dasselbe Risikoprofil wie eine kombinierte Therapie.
Deshalb sind Aussagen wie „Hormone verursachen Brustkrebs“ genauso wenig hilfreich wie „Körperidentische Hormone sind völlig ungefährlich“.
Beides ist zu einfach.
Und zu einfache Antworten sind bei komplexen Themen meistens ein ziemlich zuverlässiges Warnsignal.
Auch hier hat sich das Denken verändert.
Früher hörte man häufig die Empfehlung, Hormone nur so kurz wie möglich und höchstens wenige Jahre einzusetzen, während heute stärker individuell geschaut wird.
Die 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit von Mukherjee und Davis beschreibt ausdrücklich, dass eine menopausale Hormontherapie so lange fortgeführt werden kann, wie der individuelle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt und die Situation regelmäßig neu bewertet wird.
Das finde ich wesentlich sinnvoller, denn eine Frau verändert sich, ihre Gesundheit verändert sich, ihre Risiken verändern sich und auch ihre Beschwerden können sich im Laufe der Jahre verändern.
Was mit 48 sinnvoll war, muss mit 68 nicht automatisch unverändert weitergeführt werden.
Aber genauso wenig muss eine Therapie allein deshalb beendet werden, weil eine bestimmte Zahl im Kalender erreicht wurde.
Nein, und das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Eine Frau muss nicht erst zwölf Monate ohne Menstruation hinter sich bringen, bevor über eine Hormontherapie gesprochen werden darf.
Auch in der Perimenopause kann eine Behandlung bei entsprechenden Beschwerden infrage kommen, wenn die medizinische Situation dafür geeignet ist und keine Gründe dagegensprechen.
Die Entscheidung richtet sich also nicht ausschließlich danach, ob die letzte Periode bereits stattgefunden hat, sondern nach Beschwerden, Zyklusveränderungen, gesundheitlicher Vorgeschichte, persönlichen Risiken und natürlich danach, was die Frau selbst möchte.
Genau deshalb ist das Wissen ab 40 so wertvoll, denn wer versteht, was die Perimenopause bedeutet, kann Veränderungen viel früher einordnen und muss nicht erst jahrelang denken, mit dem eigenen Körper stimme plötzlich etwas nicht.
Auch diese Frage höre ich häufig, und gerade während der Perimenopause können einzelne Hormonwerte ziemlich irreführend sein.
Estradiol und FSH können in dieser Lebensphase stark schwanken, sodass ein einzelner Blutwert immer nur eine Momentaufnahme darstellt.
Deshalb wird die Menopausentransition bei Frauen im typischen Alter häufig in erster Linie anhand von Zyklusveränderungen und Beschwerden beurteilt.
Laboruntersuchungen können natürlich in bestimmten Situationen sinnvoll sein, aber ein einzelner Estradiolwert beantwortet nicht automatisch die Frage, ob eine Frau bereits in den Wechseljahren ist.
Unser Körper hat offenbar auch wenig Interesse daran, sich für einen Labortermin ordentlich zu benehmen.
Vielleicht vor allem, dass Frauen ihren Körper früher verstehen sollten und nicht erst dann, wenn sie seit Jahren schlecht schlafen, zahlreiche Nahrungsergänzungen ausprobiert haben, plötzlich kaum noch Lust auf Sex haben oder irgendwann völlig verunsichert fragen, was eigentlich mit ihnen los ist.
Manchmal stimmt nämlich gar nicht so viel mit ihnen nicht.
Vielleicht befindet sich ihr Körper einfach in einer Lebensphase, über die erstaunlich lange erstaunlich wenig gesprochen wurde.
Natürlich können Müdigkeit, Schlafprobleme, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsprobleme auch ganz andere Ursachen haben, beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Stress, Insulinresistenz, Medikamente, Schlafmangel oder psychische Belastungen.
Deshalb wäre es genauso falsch, ab 40 jedes Symptom automatisch auf die Wechseljahre zu schieben.
Aber es ist eben auch falsch, die hormonelle Veränderung komplett auszublenden.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Frauenheilkunde, und je länger ich mit Frauen arbeite, desto deutlicher wird mir, dass sie nicht noch mehr Angst vor ihren Hormonen brauchen, sondern vor allem verständliche Informationenund eine Medizin, die diese Lebensphase ernst nimmt.
Wir erklären jungen Mädchen, was während der Pubertät passiert, wir sprechen über Schwangerschaft, Verhütung und Kinderwunsch, aber wenn Frauen später in die Wechseljahre kommen, hören sie noch immer erstaunlich häufig den Satz: „Da müssen Sie eben durch.“
Genau das möchte ich anders sehen.
Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt, aber natürlich bedeutet für mich nicht automatisch, dass eine Frau Beschwerden einfach hinnehmen muss oder dass der deutliche Rückgang unserer weiblichen Hormone keinerlei Bedeutung für den Körper hätte.
Gerade beim Knochenstoffwechsel sehen wir sehr deutlich, dass der sinkende Östrogenspiegel nach der Menopause eine Rolle spielt, und auch Gefäße, Stoffwechsel, Schleimhäute und viele andere Gewebe verändern sich in dieser Lebensphase. Natürlich entstehen Osteoporose oder Herz Kreislauf Erkrankungen nicht allein durch fehlendes Östrogen, dafür spielen viel zu viele Faktoren zusammen, aber die hormonelle Veränderung gehört eben mit in das Gesamtbild.
Deshalb sehe ich eine gut ausgewählte, individuell dosierte und medizinisch begleitete Hormontherapie für viele Frauen nicht als etwas, vor dem man grundsätzlich Angst haben sollte, sondern als eine Möglichkeit, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten.
Für mich bedeutet das nicht, jeder Frau automatisch Hormone zu geben.
Es bedeutet vielmehr, genau hinzuschauen: Wo steht diese Frau in der Menopause, welche Beschwerden hat sie, welche Risiken bringt sie mit, welche Form von Estradiol passt zu ihr, braucht sie zusätzlich Progesteron und wie niedrig kann man sinnvoll beginnen?
Vielleicht braucht sie gar keine systemische Hormontherapie, vielleicht reicht lokales Östrogen, vielleicht profitiert sie von systemischem Estradiol, vielleicht braucht sie eine Kombination mit Progesteron und vielleicht liegt ein Teil ihrer Beschwerden am Ende ganz woanders.
Genau deshalb finde ich Aufklärung so wichtig.
Denn Frauen sollten nicht aus Angst vor Hormonen jahrelang Beschwerden ertragen, wenn eine gut gewählte Behandlung eine sinnvolle Möglichkeit wäre, genauso wenig sollten Hormone einfach nach Schema F verschrieben werden, ohne die einzelne Frau anzuschauen.
Es geht für mich nicht um ein neues Dogma und auch nicht darum, möglichst schnell Hormone zu verordnen.
Es geht darum, Frauen so viel Wissen über ihren eigenen Körper zu geben, dass sie verstehen, was in ihrem Körper passiert, gemeinsam mit einem erfahrenen Arzt vernünftig entscheiden können und bei dieser Entscheidung wirklich mitreden.
Denn Frauen haben für mich nicht nur das Recht, älter zu werden.
Sie haben auch das Recht, diese Jahre mit möglichst guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen.
Und wenn wir anfangen, darüber schon ab 40 offen zu sprechen, dann finde ich das keinen Tag zu früh.
Eure Parri
Die hormonellen Veränderungen können bereits ab Anfang oder Mitte 40 beginnen, manchmal auch früher. In der Perimenopause fällt Östrogen dabei nicht einfach gleichmäßig ab, sondern kann zunächst stark schwanken, weshalb Beschwerden kommen und wieder verschwinden können, obwohl die Regelblutung noch vorhanden ist.
Körperidentisches Östrogen, genauer gesagt körperidentisches Estradiol, besitzt dieselbe molekulare Struktur wie das Estradiol, das der weibliche Körper selbst produziert. Der Begriff sagt allerdings nichts darüber aus, ob ein Präparat automatisch besser oder risikofrei ist, weshalb auch körperidentische Hormone individuell dosiert und medizinisch begleitet werden sollten.
Ja, eine Hormontherapie in den Wechseljahren muss nicht erst nach der letzten Regelblutung beginnen. Wenn bereits während der Perimenopause belastende Beschwerden auftreten, kann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geprüft werden, ob eine systemische oder andere Form der Hormontherapie sinnvoll ist.
Lokales Östrogen wird beispielsweise vaginal angewendet und soll vor allem Beschwerden im Bereich von Scheide und Harnwegen behandeln. Bei einer systemischen Hormontherapie gelangt Estradiol dagegen in relevanter Menge in den Blutkreislauf und kann dadurch im gesamten Körper wirken, beispielsweise bei Hitzewallungen oder Nachtschweiß.
Heute gibt es keine pauschale Regel mehr, nach der eine Hormontherapie grundsätzlich nach drei oder fünf Jahren beendet werden muss. Entscheidend ist vielmehr, regelmäßig gemeinsam mit dem Arzt zu prüfen, ob der Nutzen weiterhin überwiegt und ob sich durch Alter, Erkrankungen oder andere Risikofaktoren etwas verändert hat.
Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt, und die Antwort lautet für mich: Manchmal ja, aber man sollte wissen, was ein solcher Test überhaupt aussagen kann.
Gerade in der Perimenopause können Estradiol, FSH und andere Hormone erheblich schwanken, weshalb ein einzelner Blutwert immer nur eine Momentaufnahme ist. Genau deshalb wird bei Frauen über 45 mit typischen Wechseljahresbeschwerden die Diagnose normalerweise nicht anhand eines einzelnen Hormonwertes gestellt, sondern vor allem anhand von Beschwerden, Zyklusveränderungen und der persönlichen Vorgeschichte.
Trotzdem finde ich es aus meiner persönlichen Sicht interessant, bereits ab 40 einmal einen hormonellen Ausgangszustand zu kennen, besonders dann, wenn eine Frau sich zu diesem Zeitpunkt körperlich und seelisch sehr wohl fühlt. Ein solcher Wert kann später eine zusätzliche Information sein und zeigen, wie die hormonelle Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal ausgesehen hat.
Wichtig ist mir dabei aber: Dieser frühere Wert ist kein persönlicher Sollwert, den man Jahre später unbedingt wieder erreichen muss. Hormone verändern sich natürlicherweise, ihre Werte schwanken und ein Laborwert allein sagt nicht, wie gut sich eine Frau fühlen wird.
Ich sehe einen solchen Test deshalb eher als ein weiteres Puzzleteil und nicht als Bedienungsanleitung für eine spätere Hormontherapie. Entscheidend bleibt immer die Frage, wie es der Frau geht, welche Beschwerden sie hat, in welcher Phase der Wechseljahre sie sich befindet und welche Behandlung sie individuell gut verträgt.
Mukherjee A, Davis SR. Update on Menopause Hormone Therapy; Current Indications and Unanswered Questions. Clinical Endocrinology, 2025.
Foschi M et al. Estradiol and Micronized Progesterone: A Narrative Review About Their Use as Hormone Replacement Therapy. Journal of Clinical Medicine, 2025.
Melville M et al. Menopause hormone therapy and risk of mild cognitive impairment or dementia: a systematic review and meta analysis. Lancet Healthy Longevity, 2025.
The Menopause Society. 2022 Hormone Therapy Position Statement.
NICE. Menopause: identification and management.
American College of Obstetricians and Gynecologists. Compounded Bioidentical Menopausal Hormone Therapy.
Hormone sind ein wichtiger Teil der Frauengesundheit, aber sie sind nicht der einzige. Eine Hormontherapie und eine gute Vitalstoffversorgung sind zwei unterschiedliche Themen und sollten auch so betrachtet werden.
Bei Hashifit habe ich deshalb ein Bausteinsystem entwickelt, das Bereiche wie tägliche Grundversorgung, Nervensystem, Schlaf, Darm sowie Leber und Stoffwechsel getrennt betrachtet. Nicht als Ersatz für eine Hormontherapie, sondern als eigenständigen Ansatz für die tägliche Versorgung.