Hallo ihr Lieben,
wenn eine Frau mit Hashimoto schwanger werden möchte, tauchen oft schon lange vor dem positiven Schwangerschaftstest die ersten Fragen auf. Kann ich überhaupt problemlos schwanger werden? Muss mein TSH unbedingt unter 2,5 liegen? Was passiert mit meinen Schilddrüsenhormonen, wenn ich schwanger bin? Darf ich Jod nehmen? Was ist mit Selen? Und erhöhen meine Antikörper das Risiko für mein Baby?
Ich kann gut verstehen, dass gerade Frauen mit Hashimoto schnell anfangen, jeden Laborwert dreimal umzudrehen. Man kennt seine Schilddrüse schließlich und weiß, dass sie gelegentlich ihren eigenen Kopf hat. Nun kommt eine Schwangerschaft dazu, und plötzlich scheint aus jedem einzelnen Wert eine Wissenschaft zu werden.
Dabei möchte ich gleich zu Beginn etwas Wichtiges sagen: Eine gut eingestellte Schilddrüse und Hashimoto schließen eine normale Schwangerschaft keineswegs aus. Nach der aktuellen Leitlinie der American Thyroid Association haben Frauen mit einer bereits bestehenden Unterfunktion, die unter Levothyroxin eine normale Schilddrüsenfunktion erreichen, insgesamt vergleichbare Schwangerschaftsergebnisse wie Frauen ohne Unterfunktion.
Es geht also nicht darum, Frauen mit Hashimoto Angst zu machen. Es geht darum, ein paar Dinge rechtzeitig zu wissen und die Schilddrüse in dieser besonderen Zeit etwas genauer im Blick zu behalten.
Kurz zusammengefasst
Bei Hashimoto lohnt es sich, die Schilddrüseneinstellung bereits beim Kinderwunsch zu überprüfen.
Während der Schwangerschaft verändert sich der Bedarf an Schilddrüsenhormonen und häufig auch die notwendige Hormondosis.
TSH und Schilddrüsenhormone müssen in der Schwangerschaft anders beurteilt werden als außerhalb einer Schwangerschaft.
Eine gute Jodversorgung bleibt auch bei Hashimoto wichtig. Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung sollte die Supplementierung jedoch individuell abgestimmt werden.
TPO-Antikörper sind ein Risikomarker, bedeuten aber nicht automatisch, dass eine Frau zusätzliche Schilddrüsenhormone oder Selen benötigt.
Und nach der Geburt verdient die Schilddrüse weiterhin Aufmerksamkeit, weil sich das Immunsystem erneut umstellt.
Inhaltsangabe
Hashimoto ist nicht dasselbe wie eine Schilddrüsenunterfunktion
Das möchte ich zuerst auseinanderhalten, weil beides im Alltag ständig in einen Topf geworfen wird.
Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen Bestandteile des Schilddrüsengewebes und im Laufe der Zeit kann dadurch die Fähigkeit der Schilddrüse, ausreichend Hormone zu produzieren, abnehmen.
Aber eine Frau kann TPO-Antikörper haben und trotzdem noch eine normale Schilddrüsenfunktion besitzen. Eine andere Frau hat bereits eine deutliche Unterfunktion und benötigt Schilddrüsenhormone.
Dieser Unterschied ist gerade bei Kinderwunsch und Schwangerschaft wichtig.
Die neue Leitlinie der American Thyroid Association von 2026 stellt deshalb ausdrücklich klar, dass eine Frau mit positiven TPO-Antikörpern und normaler Schilddrüsenfunktion nicht automatisch mit Levothyroxin behandelt werden sollte.
Große randomisierte Studien konnten bei Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion und positiven TPO-Antikörpern keinen überzeugenden Vorteil einer vorsorglichen Behandlung mit Levothyroxin für Schwangerschaft oder Baby zeigen.
Das ist ein Punkt, der sich in den vergangenen Jahren tatsächlich verändert hat.
Kinderwunsch mit Hashimoto: Erst einmal die Schilddrüse anschauen
Wenn eine Frau mit bekanntem Hashimoto schwanger werden möchte, finde ich es sinnvoll, nicht erst beim positiven Schwangerschaftstest über die Schilddrüse nachzudenken.
Bei einer bereits behandelten Unterfunktion nennt die American Thyroid Association als sinnvolles Ziel vor der Schwangerschaft einen TSH-Wert innerhalb des Referenzbereiches, aber unter 2,5 mU/l.
Das soll vor allem etwas Spielraum schaffen, weil der Schilddrüsenhormonbedarf bereits sehr früh in der Schwangerschaft steigen kann.
Dabei ist mir eine Unterscheidung sehr wichtig:
TSH 2,5 ist kein magischer Grenzwert, oberhalb dessen eine Frau plötzlich krank oder unfruchtbar ist.
Gerade darüber liest man im Internet erstaunliche Dinge.
Ein Wert sollte immer zusammen mit der Schilddrüsenfunktion, der bisherigen Therapie, dem Kinderwunsch, der Vorgeschichte und gegebenenfalls weiteren Laborwerten betrachtet werden.
Die aktuelle Leitlinie ist bei leichten TSH-Erhöhungen sogar zurückhaltender geworden. Bei einer subklinischen Unterfunktion vor der Schwangerschaft kann es sinnvoll sein, den Wert zunächst nach einigen Wochen noch einmal zu überprüfen, weil sich leichte Veränderungen durchaus wieder normalisieren können.
Das gefällt mir an der neuen Betrachtung sehr gut. Nicht jeder Laborwert muss sofort behandelt werden, aber man sollte ihn auch nicht ignorieren.
„Auch das Verhältnis wichtiger Nährstoffe wie Eisen, Selen, Zink und Jod kann beeinflussen, wie gut deine Schilddrüse arbeitet und Schilddrüsenhormone im Körper genutzt werden.“
Beeinträchtigt Hashimoto die Fruchtbarkeit?
Auch hier würde ich heute wesentlich vorsichtiger formulieren als noch vor einigen Jahren.
Hashimoto bedeutet nicht automatisch, dass eine Frau schlechter schwanger werden kann.
Problematisch kann vor allem eine nicht ausreichend behandelte Schilddrüsenunterfunktion sein. Schilddrüsenhormone greifen an vielen Stellen in Fortpflanzung, Zyklus und Stoffwechsel ein.
Ist die Schilddrüsenfunktion dagegen gut eingestellt, sieht die Situation sehr viel günstiger aus.
Die American Thyroid Association fasst es inzwischen recht deutlich zusammen: Frauen mit Hypothyreose, die unter Levothyroxin euthyreot, also stoffwechselmäßig gut eingestellt sind, haben im Allgemeinen eine ähnliche Fruchtbarkeit und ähnliche Schwangerschaftsergebnisse wie Frauen ohne Hypothyreose.
Das ist eine wichtige Botschaft für Frauen mit Kinderwunsch, denn die Diagnose Hashimoto allein ist kein Urteil über die eigene Fruchtbarkeit.
Wenn ein Kinderwunsch längere Zeit unerfüllt bleibt, gehört die Schilddrüse trotzdem zu den Dingen, die man überprüfen sollte. Aber eben neben vielen anderen möglichen Faktoren.
Warum verändert eine Schwangerschaft die Schilddrüse überhaupt?
Eine Schwangerschaft ist hormonell eine kleine Großbaustelle. Und die Schilddrüse steht dabei nicht irgendwo am Rand und schaut interessiert zu.
Bereits sehr früh steigt das Schwangerschaftshormon hCG deutlich an. hCG kann den TSH-Rezeptor leicht stimulieren und dadurch die Schilddrüsenhormonproduktion beeinflussen.
Gleichzeitig steigt durch das Östrogen das Thyroxin-bindende Globulin, kurz TBG. Hinzu kommen eine stärkere Ausscheidung von Jod über die Nieren, der Transport von mütterlichem T4 zum Kind und Veränderungen des Schilddrüsenhormonabbaus in der Plazenta.
Eine gesunde Schilddrüse kann darauf normalerweise reagieren und ihre Hormonproduktion anpassen.
Eine durch Hashimoto bereits eingeschränkte Schilddrüse schafft diese Mehrarbeit unter Umständen nicht vollständig. Genau deshalb steigt bei vielen Frauen der Bedarf an Levothyroxin.
Besonders in der frühen Schwangerschaft spielt mütterliches T4 eine wichtige Rolle für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems.
TSH in der Schwangerschaft: Bitte nicht einfach den normalen Laborzettel nehmen
Das ist einer meiner wichtigsten Punkte in diesem Beitrag.
Die Schwangerschaft verändert TSH und fT4 physiologisch. Deshalb sollten nach Möglichkeit labor- und schwangerschaftsspezifische Referenzbereiche verwendet werden.
Im ersten Trimester kann der TSH beispielsweise allein durch die Wirkung von hCG deutlich sinken. Ein niedriger TSH-Wert bedeutet deshalb nicht automatisch eine Schilddrüsenüberfunktion.
TSH bleibt der wichtigste Laborparameter zur Beurteilung der mütterlichen Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft. Gleichzeitig können insbesondere fT4-Werte je nach Labormethode schwieriger zu interpretieren sein.
Wenn keine eigenen schwangerschaftsspezifischen Referenzbereiche vorhanden sind, kann nach der aktuellen ATA-Leitlinie im ersten Trimester ungefähr ein TSH-Bereich von 0,1 bis 4,0 mU/l als Orientierung dienen.
Das ist aber ausdrücklich eine Ersatzlösung und kein universeller Zielbereich für jede Frau.
Und genau hier sieht man, warum dieses ewige „TSH muss in der Schwangerschaft immer unter 2,5 sein“ zu kurz gedacht ist.
Bei einer Frau, die wegen einer Unterfunktion behandelt wird, kann unter 2,5 ein therapeutisches Ziel sein. Für die Diagnose einer Unterfunktion bei jeder beliebigen Schwangeren ist 2,5 dagegen keine starre Grenze.
Was passiert mit der Schilddrüsenhormondosis?
Bei einer bereits bestehenden deutlichen Unterfunktion benötigt die Mehrzahl der Frauen im Verlauf der Schwangerschaft mehr Levothyroxin.
Nach den Daten der aktuellen ATA-Leitlinie steigt der Bedarf bei vielen Frauen bereits in den ersten Wochen und kann im weiteren Verlauf deutlich über der Dosis vor der Schwangerschaft liegen.
Wie stark die Dosis tatsächlich angepasst werden muss, ist individuell.
Deshalb finde ich es sinnvoll, bereits vor einer geplanten Schwangerschaft mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, was bei einem positiven Schwangerschaftstest passieren soll.
Denn dann muss eine Frau nicht mit Schwangerschaftstest in der einen Hand und Beipackzettel in der anderen anfangen, ihre Hormondosis selbst auszurechnen.
Regelmäßige Kontrollen sind in dieser Phase wichtig. Bei behandelten Formen einer Unterfunktion wird die Schilddrüsenfunktion insbesondere während der ersten Hälfte der Schwangerschaft häufig ungefähr alle vier Wochen überprüft und die Dosis entsprechend angepasst.
Ein wichtiger Punkt zu T3 und natürlichen Schilddrüsenhormonen
Hier möchte ich sehr klar sein, auch wenn dieser Punkt gerade in naturheilkundlichen Kreisen manchmal nicht besonders beliebt ist.
Die aktuelle ATA-Leitlinie empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch beziehungsweise während der Schwangerschaft Levothyroxin als T4-Monotherapie.
Von einer Behandlung ausschließlich oder überwiegend mit T3 beziehungsweise mit getrockneten Schilddrüsenextrakten wird in der Schwangerschaft abgeraten.
Der Hintergrund ist nicht, dass T3 grundsätzlich ein schlechtes Schilddrüsenhormon wäre. Entscheidend ist das Baby.
Das fetale Gehirn ist auf mütterliches T4 angewiesen. T3 gelangt nicht in gleicher Weise in das zentrale Nervensystem des Kindes. Präparate mit einem verhältnismäßig hohen T3-Anteil können deshalb problematisch sein, wenn dadurch für das Kind relativ wenig T4 zur Verfügung steht.
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, warum man Schwangerschaft medizinisch manchmal anders betrachten muss als die Behandlung außerhalb einer Schwangerschaft.
Naturheilkunde bedeutet für mich nicht, medizinische Daten zu ignorieren. Ganz im Gegenteil. Gerade wenn ein zweiter kleiner Mensch mitversorgt wird, sollte man besonders genau hinschauen.
TPO-Antikörper: Was bedeuten sie für Mutter und Baby?
Viele Frauen erschrecken über hohe TPO-Antikörper, sobald sie schwanger sind.
Hier kann ich etwas beruhigen.
TPO- und Tg-Antikörper können zwar die Plazenta passieren, nach heutigem Wissen schädigen diese Antikörper das Baby jedoch nicht direkt.
TPO-Antikörper sind vielmehr ein Hinweis darauf, dass eine Schilddrüsenautoimmunität besteht.
Frauen mit positiven Antikörpern haben während der Schwangerschaft ein höheres Risiko, eine Unterfunktion zu entwickeln, weil die funktionelle Reserve der Schilddrüse kleiner sein kann. Deshalb verdienen diese Frauen eine aufmerksamere Kontrolle.
Das ist ein großer Unterschied.
Ein Risikomarker ist nicht automatisch die Ursache eines Problems.
Auch deshalb empfiehlt die aktuelle Leitlinie nicht, Frauen mit normalen Schilddrüsenwerten allein aufgrund positiver TPO-Antikörper vorsorglich Levothyroxin zu geben
Jod bei Hashimoto und Schwangerschaft: Ein Thema mit erstaunlich viel Streit
Kaum ein Spurenelement schafft es, bei Hashimoto so zuverlässig Diskussionen auszulösen wie Jod.
Die eine Seite sagt: „Bei Hashimoto niemals Jod.“
Die andere sagt: „Jod ist immer gut.“
Und wie so oft liegt die vernünftige Antwort irgendwo zwischen diesen beiden schönen Internetextremen.
Ohne Jod können keine Schilddrüsenhormone hergestellt werden. Gleichzeitig steigt der Jodbedarf während einer Schwangerschaft, unter anderem weil mehr Schilddrüsenhormone benötigt werden, mehr Jod über die Nieren ausgeschieden wird und auch das Kind versorgt werden muss.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Schwangere eine empfohlene Gesamtzufuhr von 220 µg Jod täglich.
Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz werden in Deutschland gewöhnlich 100 bis 150 µg Jod täglich als Supplement empfohlen. Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung sollte die Supplementierung vorher mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Die American Thyroid Association liegt mit insgesamt etwa 250 µg Jod täglich in einer ähnlichen Größenordnung und rät gleichzeitig ausdrücklich von einer dauerhaft übermäßigen Jodzufuhr ab.
Für mich heißt das:
Hashimoto ist kein Grund für einen Jodmangel, aber auch kein Grund für unkontrollierte Hochdosen.
Gerade bei Kinderwunsch sollte man dieses Thema rechtzeitig klären und nicht erst in der achten Schwangerschaftswoche feststellen, dass man seit Jahren praktisch kein Jod zu sich nimmt.
Und was ist mit Selen?
Selen gehört zur Schilddrüse, keine Frage.
Es ist Bestandteil verschiedener Selenoproteine und unter anderem an antioxidativen Prozessen und am Schilddrüsenhormonstoffwechsel beteiligt.
Aber daraus folgt nicht automatisch, dass jede schwangere Frau mit Hashimoto hoch dosiertes Selen einnehmen sollte.
Die aktuelle ATA-Leitlinie empfiehlt bei Frauen mit positiven TPO-Antikörpern und normaler Schilddrüsenfunktion keine routinemäßige Selensupplementierung, weder um Schwangerschaftsergebnisse zu verbessern noch zur Vorbeugung einer postpartalen Thyreoiditis.
Die bisher vorliegenden Studien sind dafür zu uneinheitlich.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Schwangere einen Schätzwert von 60 µg Selen täglich und sieht während der Schwangerschaft keinen zusätzlichen allgemeinen Mehrbedarf gegenüber anderen erwachsenen Frauen.
Das bedeutet nicht, dass ein tatsächlicher Selenmangel ignoriert werden sollte.
Es bedeutet lediglich, dass „Hashimoto plus Schwangerschaft gleich viel Selen“ wissenschaftlich keine gute Formel ist.
Eisen, Folat, Vitamin B12, Vitamin D und DHA
Hier verlasse ich für einen Moment die reine Schilddrüse, denn eine Schwangerschaft besteht nun einmal nicht nur aus TSH.
Besonders wichtig finde ich den Eisenstatus.
Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich, gleichzeitig sollte Eisen nicht einfach blind hoch dosiert werden.
Die aktuellen deutschen Handlungsempfehlungen sehen eine Eisensupplementierung dann vor, wenn ein Mangel laborchemisch festgestellt wurde. Der Referenzwert für die Zufuhr liegt während der Schwangerschaft bei 27 mg täglich.
Für Frauen mit Kinderwunsch ist außerdem Folat entscheidend.
Empfohlen werden 400 µg Folsäure beziehungsweise eine entsprechende Folatmenge bereits mindestens vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche.
Auch Vitamin B12 sollte insbesondere bei vegetarischer oder veganer Ernährung im Blick behalten werden.
Vitamin D würde ich nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ einsetzen, sondern Versorgung, Lebensstil, Sonneneinstrahlung und gegebenenfalls Laborwerte berücksichtigen.
DHA spielt für die Entwicklung von Gehirn und Sehfunktion des Kindes eine Rolle. Frauen, die nicht regelmäßig fettreichen Meeresfisch essen, wird in Deutschland eine tägliche Ergänzung von etwa 200 mg DHA empfohlen.
Hier zeigt sich etwas, das mir in meiner Arbeit immer wichtig war:
Nicht zwanzig verschiedene Kapseln nehmen, weil irgendwo geschrieben steht, dass jede davon gut sei.
Erst schauen, was diese Frau tatsächlich braucht.
Besonders wichtig finde ich den Eisenstatus. Gerade bei Hashimoto lohnt es sich, Eisen nicht nur während der Schwangerschaft im Blick zu behalten. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Eisenmangel bei Hashimoto.
Achtung bei Eisen und Calcium zusammen mit Schilddrüsenhormonen
Eine kleine Sache kann im Alltag einen erstaunlich großen Unterschied machen.
Eisen und Calcium können die Aufnahme von Levothyroxin im Darm vermindern.
Deshalb sollten eisen- oder calciumhaltige Schwangerschaftspräparate nicht gleichzeitig mit Levothyroxin eingenommen werden.
Die American Thyroid Association empfiehlt einen zeitlichen Abstand von mindestens vier Stunden.
Das klingt banal, kann aber erklären, warum ein bis dahin gut eingestellter TSH plötzlich anfängt, sich in die falsche Richtung zu bewegen.
Und Schwangerschaftspräparate enthalten nun einmal häufig genau diese Mineralstoffe.
Ernährung bei Hashimoto in der Schwangerschaft
Ich würde in der Schwangerschaft keine komplizierte „Hashimoto-Diät“ anfangen.
Jetzt geht es vielmehr darum, den Körper zuverlässig mit Energie, Eiweiß, hochwertigen Fetten, Gemüse, Obst, komplexen Kohlenhydraten und den notwendigen Mikronährstoffen zu versorgen.
Wenn bekannte Unverträglichkeiten bestehen, werden sie natürlich berücksichtigt.
Aber Schwangerschaft ist für mich nicht die Zeit, in der man aus Angst vor Entzündungen immer mehr Lebensmittel streicht, bis auf dem Teller am Ende noch drei Blätter Salat und eine Avocado liegen.
Auch das sehe ich in der Naturheilkunde kritisch.
Eine gute Ernährung soll versorgen und nicht ständig neue Verbote schaffen.
Mehr zur alltäglichen Ernährung findest du auch in meinem Blogbeitrag Ernährung bei Hashimoto.
Und was ist mit Stress?
Im alten Beitrag hatte Stress einen recht großen Stellenwert. Heute würde ich ihn anders einordnen.
Natürlich ist es sinnvoll, Schlaf, Erholung, Bewegung und psychische Belastung ernst zu nehmen.
Gerade eine Schwangerschaft ist körperlich und emotional anspruchsvoll und mit Hashimoto kann eine Frau ohnehin sensibel auf Belastungsphasen reagieren.
Aber ich möchte Frauen auch nicht das Gefühl geben, dass ein hektischer Tag, ein Streit oder eine stressige Arbeitswoche plötzlich die Schwangerschaft gefährdet.
Das erzeugt nämlich am Ende nur noch mehr Stress. Ein beeindruckend menschlicher Kreislauf.
Stressregulation gehört für mich deshalb zur Begleitung, aber nicht als Schuldzuweisung und auch nicht als vermeintliche Behandlung der Schilddrüsenautoimmunität.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du in meinem Ratgeber
Stress & Nervensystem mehr darüber, wie Stress und Nervensystem bei Hashimoto zusammenhängen.
Nach der Geburt verändert sich die Schilddrüse noch einmal
Dieser Teil war in meinem alten Artikel viel zu kurz und heute wissen wir deutlich mehr darüber.
Während einer Schwangerschaft stellt sich das Immunsystem teilweise um. Nach der Geburt fällt diese besondere Immunlage weg und das Immunsystem wird wieder aktiver.
Genau diese Umstellung kann eine sogenannte postpartale Thyreoiditis begünstigen.
Sie kann innerhalb des ersten Jahres nach einer Geburt auftreten.
Typischerweise kann zunächst eine Phase mit zu viel Schilddrüsenhormon entstehen und einige Monate später eine Unterfunktion folgen. Nicht jede Frau durchläuft beide Phasen.
Insgesamt wird die Häufigkeit auf etwa acht Prozent geschätzt. Bei Frauen mit positiven TPO-Antikörpern ist das Risiko deutlich höher.
Das soll niemandem Angst machen.
Es soll vor allem erklären, warum Müdigkeit, innere Unruhe, Herzklopfen, Gewichtsveränderungen oder depressive Verstimmungen nach einer Geburt nicht automatisch nur auf Schlafmangel und ein Neugeborenes zurückgeführt werden sollten.
Manchmal lohnt sich schlicht ein Blick auf die Schilddrüse.
Was passiert nach der Geburt mit Levothyroxin?
Wenn die Levothyroxindosis während der Schwangerschaft wegen einer bereits vorher bestehenden Unterfunktion erhöht wurde, kann sie nach der Geburt häufig wieder auf die Dosis vor der Schwangerschaft zurückgeführt werden.
Anschließend wird die Schilddrüsenfunktion meist nach ungefähr sechs Wochen erneut kontrolliert.
Das sollte natürlich individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Wurde Levothyroxin dagegen erst während der Schwangerschaft wegen einer leichten subklinischen Unterfunktion begonnen, kann nach der Geburt in manchen Fällen geprüft werden, ob die Behandlung weiterhin notwendig ist.
Die Schwangerschaft ist also nicht vorbei und plötzlich stellen wir die Schilddrüse gedanklich wieder in den Schrank.
Das Wochenbett gehört für mich unbedingt mit zur Schilddrüsenbetreuung.
Meine naturheilkundliche Sicht auf Hashimoto und Schwangerschaft
Ich begleite Hashimoto seit vielen Jahren und kenne die Erkrankung außerdem aus meinem eigenen Leben.
Gerade deshalb sehe ich Schulmedizin und Naturheilkunde nicht als zwei gegnerische Lager.
In einer Schwangerschaft ist eine gute Schilddrüsenhormonversorgung nicht verhandelbar.
Gleichzeitig darf man den Rest der Frau nicht vergessen.
Wie ernährt sie sich? Ist Eisen vorhanden? Wie sieht die Jodversorgung aus? Gibt es einen Vitamin-B12-Mangel? Wie schläft sie? Wie geht es ihr psychisch? Gibt es Verdauungsprobleme? Welche Nahrungsergänzungen nimmt sie bereits, vielleicht sogar mehrere Produkte mit denselben Inhaltsstoffen?
Das ist für mich die eigentliche Stärke einer guten naturheilkundlichen Begleitung:
nicht statt medizinischer Behandlung, sondern mit einem größeren Blick auf die Frau.
Und gerade während einer Schwangerschaft gilt mehr denn je:
Natürlich bedeutet nicht automatisch ungefährlich.
Kräuter, Pflanzenextrakte und hoch dosierte Mikronährstoffe gehören genauso überprüft wie Medikamente.
Was ich Frauen mit Hashimoto besonders mitgeben möchte
Drei Gedanken sind mir bei diesem Thema besonders wichtig:
Hashimoto bedeutet nicht, dass eine gesunde Schwangerschaft unwahrscheinlich ist.
Nicht die Höhe der Antikörper entscheidet allein darüber, wie gut eine Schwangerschaft verläuft.
Eine gute Vorbereitung vor der Schwangerschaft ist oft einfacher als hektische Korrekturen danach.
Damit ist für mich eigentlich das Wichtigste gesagt.
Nicht Angst vor der Schilddrüse sollte eine Schwangerschaft begleiten, sondern Wissen über sie.
Häufige Fragen zu Hashimoto und Schwangerschaft
Kann ich mit Hashimoto normal schwanger werden?
Ja. Hashimoto allein bedeutet nicht, dass eine Frau unfruchtbar ist.
Besonders wichtig ist eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion. Frauen mit behandelter Unterfunktion und normaler Schilddrüsenfunktion haben im Allgemeinen vergleichbare Schwangerschaftsergebnisse wie Frauen ohne Hypothyreose.
Muss der TSH bei Kinderwunsch unter 2,5 liegen?
Bei Frauen mit bereits behandelter Unterfunktion nennt die American Thyroid Association einen TSH innerhalb des Referenzbereiches und unter 2,5 mU/l als sinnvolles Ziel vor einer Schwangerschaft.
Ein TSH von 2,5 ist jedoch keine allgemeine Diagnosegrenze für jede Frau mit Kinderwunsch.
Darf ich bei Hashimoto in der Schwangerschaft Jod nehmen?
Eine ausreichende Jodversorgung ist während der Schwangerschaft wichtig.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 100 bis 150 µg Jod täglich als Supplement.
Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung sollte die Einnahme individuell ärztlich abgestimmt werden
Sollte ich bei Hashimoto in der Schwangerschaft Selen nehmen?
Nicht automatisch.
Die aktuelle ATA-Leitlinie empfiehlt keine routinemäßige Selengabe allein wegen positiver TPO-Antikörper.
Eine tatsächliche Unterversorgung muss davon getrennt betrachtet werden.
Wie häufig sollten die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden?
Das hängt von Ausgangssituation, Medikamenten und Befunden ab.
Bei behandelten Formen der Unterfunktion werden insbesondere in der ersten Hälfte der Schwangerschaft häufig Kontrollen in ungefähr vierwöchigen Abständen eingesetzt.
Sind TPO-Antikörper gefährlich für mein Baby?
TPO-Antikörper können die Plazenta passieren, gelten aber nicht als direkt schädlich für das Kind.
Sie zeigen vor allem eine bestehende Schilddrüsenautoimmunität an und helfen dabei, das Risiko für Veränderungen der mütterlichen Schilddrüsenfunktion einzuschätzen.
Muss ich nach der Geburt die Schilddrüse weiter kontrollieren?
Gerade bei Hashimoto ist das sinnvoll.
Nach der Geburt verändert sich die Immunlage erneut und eine postpartale Schilddrüsenfunktionsstörung kann auftreten.
Wenn die Levothyroxindosis während der Schwangerschaft erhöht wurde, wird sie häufig nach der Geburt angepasst und die Schilddrüsenfunktion einige Wochen später erneut kontrolliert.
Mein persönliches Schlusswort
Eine Schwangerschaft ist wahrscheinlich eine der Zeiten im Leben, in denen Frauen gleichzeitig besonders glücklich und besonders verunsichert sein können.
Hat man zusätzlich Hashimoto, kommt schnell das Gefühl dazu, man müsse jetzt jeden Laborwert, jedes Lebensmittel und jede Kapsel perfekt machen.
Das müssen wir nicht.
Wir sollten die Dinge ernst nehmen, die wirklich wichtig sind: eine gut eingestellte Schilddrüse, regelmäßige Kontrollen, eine ausreichende Nährstoffversorgung und eine Begleitung, bei der nicht nur ein einzelner TSH-Wert betrachtet wird, sondern die ganze Frau.
Und dann darf eine Schwangerschaft auch das sein, was sie eigentlich sein sollte:
eine besondere Zeit im Leben und kein neunmonatiger Laborkurs.
Eure Parri
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Betreuung. Schilddrüsenmedikamente und Nahrungsergänzungen sollten während Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Quellen und weiterführende Literatur
American Thyroid Association:
2026 American Thyroid Association Guidelines for Diagnosis and Management of Thyroid Disease Preconception, During Pregnancy, and Postpartum
https://doi.org/10.1177/10507256261445624
Deutsche Gesellschaft für Ernährung:
Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit
Deutsche Gesellschaft für Ernährung:
Referenzwerte für Selen
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/selen/
Netzwerk Gesund ins Leben:
Handlungsempfehlungen für Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft
Netzwerk Gesund ins Leben:
Folsäure, Jod und weitere Nährstoffe in der Schwangerschaft
https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-familien/fit-durch-die-schwangerschaft/folsaeure-jod-und-co/
Vom Wissen zu den Hashifit Bausteinen
Normalerweise zeige ich an dieser Stelle, wie einzelne Themen zu den Hashifit Bausteinen passen.
Bei einer Schwangerschaft mache ich bewusst eine Ausnahme.
Unsere Produkte wurden nicht als allgemeine Schwangerschaftspräparate entwickelt und einige Inhaltsstoffe, die außerhalb einer Schwangerschaft sinnvoll eingesetzt werden können, würde ich während einer Schwangerschaft nicht pauschal empfehlen.
Gerade bei Jod, Selen, Vitamin D und anderen Mikronährstoffen sollte zunächst betrachtet werden, was bereits über Ernährung und ein Schwangerschaftspräparat aufgenommen wird und was individuell zusätzlich benötigt wird.
Das finde ich ehrlicher, als einer schwangeren Frau einfach ein möglichst großes Nahrungsergänzungspaket hinzustellen.
Wer Hashifit bereits einnimmt und schwanger wird, sollte deshalb die bestehende Einnahme individuell überprüfen lassen und nicht automatisch unverändert fortführen.
