🧩 Hallo meine Lieben,
wenn ich in meiner Praxis die Eisenwerte meiner Hashimoto Patientinnen anschaue, fällt mir immer wieder auf, dass Eisenmangel ein Thema sein kann, das erstaunlich leicht übersehen wird.
Denn Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, kalte Hände, Haarausfall oder fehlende Belastbarkeit werden schnell der Schilddrüse zugeschrieben. Und bei Frauen ab 40 kommt häufig noch ein weiterer Gedanke dazu: Das sind bestimmt die Wechseljahre.
Manchmal stimmt das. Manchmal steckt aber noch etwas anderes dahinter.
Deshalb gehört für mich bei anhaltenden Beschwerden auch der Eisenstatus mit zum Gesamtbild.
Eisen brauchen wir nicht nur für die Blutbildung und den Sauerstofftransport. Auch die Schilddrüse ist auf eine ausreichende Eisenversorgung angewiesen, denn das Enzym Thyreoperoxidase, kurz TPO, benötigt Eisen für seine Funktion.
Besonders spannend wird das bei Frauen ab 40. Stärkere oder unregelmäßige Blutungen in der Perimenopause können die Eisenspeicher belasten. Gleichzeitig können sich Beschwerden von Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion und Wechseljahren erstaunlich ähnlich anfühlen.
In diesem Beitrag zeige ich dir deshalb, welche Rolle Eisen bei Hashimoto spielt, welche Laborwerte wirklich interessant sind, warum ein normaler Hb Wert einen Eisenmangel nicht immer ausschließt und weshalb ich Ferritin niemals ganz allein beurteilen würde.
Inhaltsverzeichnis
Hashimoto und Eisenmangel: Warum Ferritin bei Müdigkeit so wichtig sein kann
Müde, erschöpft, Haarausfall, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, einfach nicht richtig in die Energie zu kommen. Viele Frauen mit Hashimoto kennen diese Beschwerden nur zu gut.
Und natürlich fällt der Blick dann zuerst auf die Schilddrüse.
Ist mein TSH zu hoch?
Brauche ich mehr Schilddrüsenhormone?
Stimmt mein fT3 nicht?
Liegt es an der Umwandlung?
Das sind wichtige Fragen. Aber nach über 20 Jahren Praxiserfahrung weiß ich auch: Nicht jedes Symptom bei Hashimoto kommt automatisch von der Schilddrüse.
Einer der Werte, den ich bei anhaltender Müdigkeit deshalb gerne mit im Blick habe, ist der Eisenstatus.
Denn ein Eisenmangel kann Beschwerden verursachen, die denen einer Schilddrüsenunterfunktion erstaunlich ähnlich sind. Gleichzeitig braucht auch unsere Schilddrüse Eisen.
Es lohnt sich also, etwas genauer hinzuschauen.
Das Wichtigste in Kürze
Eisen wird unter anderem für die Bildung roter Blutkörperchen und den Sauerstofftransport benötigt. Es spielt außerdem eine Rolle bei verschiedenen Enzymprozessen im Körper.
Auch für die Schilddrüse ist Eisen interessant. Das Enzym Thyreoperoxidase, kurz TPO, benötigt Eisen für seine Funktion und ist an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt.
Ein Eisenmangel kann bereits bestehen, obwohl der Hämoglobinwert noch normal ist. Deshalb reicht ein normales Blutbild allein nicht immer aus, um die Eisenversorgung zu beurteilen.
Ferritin ist ein wichtiger Marker für die Eisenspeicher. Allerdings sollte der Wert nicht völlig isoliert betrachtet werden, da Ferritin bei Entzündungen erhöht sein kann.
Und noch etwas ist wichtig: Wer L Thyroxin einnimmt und zusätzlich Eisen supplementiert, sollte beides zeitlich voneinander trennen, weil Eisen die Aufnahme von Levothyroxin beeinträchtigen kann.
Warum Eisen für unseren Körper so wichtig ist
Bei Eisen denken die meisten zuerst an Blut. Das ist auch richtig, aber eben nur ein Teil der Geschichte.
Eisen ist Bestandteil des Hämoglobins in unseren roten Blutkörperchen. Dort hilft es dabei, Sauerstoff von der Lunge in das Gewebe zu transportieren.
Fehlt Eisen, kann irgendwann nicht mehr ausreichend Hämoglobin gebildet werden. Dann kann eine Eisenmangelanämie entstehen.
Aber Eisen wird auch für zahlreiche Enzyme und Stoffwechselvorgänge benötigt. Deshalb können Beschwerden bereits auftreten, bevor sich im klassischen Blutbild eine deutliche Anämie zeigt.
Typische Beschwerden können sein:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- verminderte körperliche Belastbarkeit
- Konzentrationsprobleme
- Kopfschmerzen
- Haarausfall
- blasse Haut
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Herzklopfen
- Kältegefühl
- Restless Legs
Natürlich beweist keines dieser Symptome einen Eisenmangel. Genau darin liegt das Problem: Viele dieser Beschwerden können ebenso bei einer Schilddrüsenunterfunktion, Schlafmangel, Stress, den Wechseljahren oder anderen Ursachen auftreten.
Deshalb bin ich ein großer Freund davon, nicht jedes Symptom sofort einer einzigen Baustelle zuzuordnen.
Was hat Eisen mit der Schilddrüse zu tun?
Jetzt wird es für Menschen mit Hashimoto besonders interessant.
Für die Bildung unserer Schilddrüsenhormone benötigt die Schilddrüse verschiedene Mikronährstoffe. Dazu gehören unter anderem Jod, Selen und eben auch Eisen.
Ein wichtiger Zusammenhang läuft über die Thyreoperoxidase, kurz TPO.
Dieses Enzym ist an entscheidenden Schritten der Schilddrüsenhormonsynthese beteiligt und benötigt Eisen für seine Funktion.
Ein ausgeprägter Eisenmangel kann deshalb auch Prozesse beeinflussen, die für eine normale Schilddrüsenfunktion wichtig sind.
Studien und Metaanalysen zeigen Zusammenhänge zwischen Eisenmangel und Veränderungen der Schilddrüsenhormone. Teilweise wurden bei Menschen mit Eisenmangel niedrigere fT4 und fT3 Werte beobachtet.
Hier ist mir aber eine Unterscheidung wichtig:
Ein Zusammenhang bedeutet noch nicht automatisch, dass Eisenmangel die Ursache jeder veränderten Schilddrüsenlage ist.
Ein großer Teil der vorhandenen Daten stammt aus Beobachtungsstudien. Wir wissen also einiges über die Verbindung zwischen Eisenstoffwechsel und Schilddrüse, aber längst noch nicht alles.
Das ist in der Medizin häufiger so, als uns lieb ist. Der menschliche Körper hält sich leider nur selten an einfache Schaubilder.
Warum kann Eisenmangel bei Hashimoto häufiger ein Thema sein?
Die spannende Frage ist eigentlich nicht nur, ob Eisen fehlt.
Mich interessiert mindestens genauso sehr:
Warum fehlt es?
Bei Frauen spielen natürlich Menstruation und insbesondere stärkere Blutungen eine wichtige Rolle.
Daneben kommen beispielsweise eine geringe Eisenzufuhr über die Ernährung, Schwangerschaften, Blutspenden oder andere Blutverluste infrage.
Bei Hashimoto gibt es aber noch einen weiteren Punkt, den ich wichtig finde.
Autoimmunerkrankungen treten manchmal gemeinsam auf. Bei Menschen mit Hashimoto kommen beispielsweise Zöliakie oder eine autoimmune Gastritis häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung.
Beides kann die Aufnahme von Nährstoffen und damit auch die Eisenversorgung beeinflussen.
Deshalb würde ich bei einem immer wieder auftretenden oder trotz Einnahme nicht besser werdenden Eisenmangel nicht einfach dauerhaft mehr Eisen nehmen.
Dann sollte die Frage lauten:
Warum steigen meine Eisenspeicher nicht?
Genau diese Frage kann wesentlich wichtiger sein als die nächste Packung Eisen.
Mein Hämoglobin ist normal. Kann ich trotzdem Eisenmangel haben?
Ja.
Und das ist einer der Punkte, die in meiner Praxis immer wieder für Verwirrung sorgen.
Hämoglobin und Ferritin sagen nicht dasselbe aus.
Der Hb Wert zeigt unter anderem, wie viel Hämoglobin in deinem Blut vorhanden ist. Ferritin dient dagegen als Marker für die gespeicherten Eisenreserven.
Ein Eisenmangel kann deshalb bereits bestehen, bevor das Hämoglobin deutlich absinkt.
Man spricht dann von einem Eisenmangel ohne Anämie.
Das ist auch der Grund, warum ein Satz wie „Ihr Blutbild ist doch normal“ die Frage nach der Eisenversorgung nicht immer vollständig beantwortet.
„Nicht mehr Kapseln – sondern die passenden Bausteine für dein Gleichgewicht.“
Welche Laborwerte sind bei Verdacht auf Eisenmangel sinnvoll?
Ich schaue Eisen nicht gerne durch ein Schlüsselloch an.
Ein einzelner Laborwert kann hilfreich sein, aber die Kombination verschiedener Werte erzählt häufig die bessere Geschichte.
Ferritin
Ferritin ist einer der wichtigsten Marker für die Eisenspeicher.
Niedrige Ferritinwerte sprechen für leere oder stark reduzierte Eisenspeicher.
Allerdings gibt es eine Besonderheit: Ferritin ist gleichzeitig ein sogenanntes Akutphaseprotein. Bei Entzündungen kann Ferritin ansteigen.
Ein scheinbar ordentlicher Ferritinwert bedeutet deshalb bei gleichzeitig bestehender Entzündung nicht zwangsläufig, dass die Eisenversorgung optimal ist.
Hämoglobin
Hämoglobin, kurz Hb, ist der rote Blutfarbstoff und wichtig für den Sauerstofftransport.
Sinkt Hb unter den entsprechenden Referenzbereich, kann eine Anämie vorliegen. Die Ursache muss dann abgeklärt werden.
MCV und MCH
Diese beiden Werte beschreiben Größe und Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen.
Sie können bei der Einordnung einer Anämie zusätzliche Hinweise geben.
Transferrinsättigung
Die Transferrinsättigung gibt Hinweise darauf, wie viel Eisen tatsächlich an das Transportprotein Transferrin gebunden und verfügbar ist.
Sie kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung zum Ferritin sein.
CRP
CRP ist kein Eisenwert.
Trotzdem kann er für die Interpretation hilfreich sein, weil er Hinweise auf entzündliche Prozesse gibt. Das ist wichtig, wenn wir beurteilen wollen, ob ein Ferritinwert möglicherweise durch eine Entzündung beeinflusst wird.
Je nach Situation können weitere Laborwerte sinnvoll sein. Welche davon benötigt werden, hängt vom individuellen Befund ab.
Welcher Ferritinwert ist bei Hashimoto optimal?
Hier möchte ich mit einem Mythos aufräumen.
Im Internet findet man erstaunlich konkrete Aussagen:
„Bei Hashimoto muss Ferritin mindestens 70 sein.“
Oder 80.
Oder 100.
Je nachdem, welche Seite man gerade erwischt.
Einen wissenschaftlich festgelegten optimalen Ferritinwert speziell für Menschen mit Hashimoto gibt es so nicht.
Und deshalb möchte ich dir auch keine magische Zahl verkaufen.
Sehr niedrige Ferritinwerte sprechen für einen Eisenmangel. Bei der weiteren Beurteilung spielen aber Geschlecht, Alter, Beschwerden, Blutbild, Entzündungsstatus und die gesamte gesundheitliche Situation eine Rolle.
Aus meiner Praxiserfahrung nehme ich niedrige Ferritinwerte besonders ernst, wenn gleichzeitig Beschwerden wie Müdigkeit, Haarausfall, Restless Legs oder eine deutlich verminderte Belastbarkeit bestehen.
Das ist aber eine individuelle Beurteilung und kein besonderer „Hashimoto Grenzwert“.
Gerade hier finde ich die Verbindung aus Labor, Beschwerden und medizinischer Vorgeschichte wesentlich sinnvoller als die Jagd nach einer einzigen perfekten Zahl.
Eisen, Schilddrüse und Wechseljahre: Ab 40 wird die Geschichte noch interessanter
- Müdigkeit.
- Haarausfall.
- Konzentrationsprobleme.
- Herzklopfen.
- Schlafprobleme.
- Weniger Belastbarkeit.
Kommt dir etwas bekannt vor?
All diese Beschwerden können zu einem Eisenmangel passen. Einige kennen wir auch von einer Schilddrüsenunterfunktion. Und manches kann rund um die Wechseljahre auftreten.
Genau deshalb halte ich wenig davon, bei Frauen ab 40 jedes neue Symptom automatisch den Hormonen zuzuschreiben.
Vor der Menopause können insbesondere starke oder lange Monatsblutungen die Eisenspeicher belasten. In der Perimenopause können Blutungen zeitweise sogar stärker und unregelmäßiger werden.
Nach der Menopause fällt der regelmäßige Blutverlust über die Menstruation normalerweise weg.
Und genau dann verändert sich auch die Bewertung eines Eisenmangels.
Wenn eine Frau nach der Menopause einen deutlichen Eisenmangel entwickelt, sollte man nicht einfach nur Eisen geben und zur Tagesordnung übergehen. Die Ursache des Eisenverlustes gehört abgeklärt.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, warum Frauenmedizin für mich mehr bedeutet, als ausschließlich auf Östrogen und Progesteron zu schauen.
Schilddrüse, Eisenstoffwechsel, Schlaf, Darm, Ernährung, Stoffwechsel und Hormone können sich gegenseitig beeinflussen.
Der Körper arbeitet nun einmal nicht in einzelnen Schubladen.
Manchmal ist es die richtige Kombination, die den Unterschied macht.“
Eisen über die Ernährung: Was kommt tatsächlich an?
Eisen kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor.
Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied.
Hämeisen aus tierischen Lebensmitteln kann vom Körper im Allgemeinen besser aufgenommen werden als pflanzliches Nicht Hämeisen.
Gute Eisenquellen können beispielsweise Fleisch und Innereien sein.
Pflanzliche Eisenquellen sind unter anderem Hülsenfrüchte, Haferflocken, Vollkornprodukte, Kürbiskerne, Sesam und verschiedene grüne Gemüse.
Auch bei pflanzlicher Ernährung kann eine gute Eisenversorgung möglich sein. Allerdings lohnt es sich dann besonders, auf die Kombination der Lebensmittel zu achten.
Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern.
Ein einfaches Beispiel:
Linsen zusammen mit Paprika oder einem
anderen Vitamin C reichen Lebensmittel sind günstiger für die Eisenaufnahme als Linsen allein.
Kaffee und Tee können die Eisenaufnahme dagegen reduzieren, wenn sie unmittelbar zu einer eisenreichen Mahlzeit oder einem Eisenpräparat getrunken werden.
Manchmal entscheiden also erstaunlich kleine Gewohnheiten darüber, wie viel von dem, was wir essen, am Ende tatsächlich bei uns ankommt.
Wann reicht Ernährung nicht mehr aus?
Bei einem ausgeprägten Eisenmangel reicht es häufig nicht aus, einfach ein paar eisenreiche Lebensmittel zusätzlich zu essen.
Dann kann eine gezielte Eisensubstitution notwendig werden.
Welche Menge sinnvoll ist und wie lange Eisen eingenommen werden sollte, hängt vom Ausmaß des Mangels, der Ursache, der Verträglichkeit und den Laborwerten ab.
Mehr ist dabei nicht automatisch besser.
Eisen ist ein essenzieller Mikronährstoff, aber der Körper verfügt nicht über einen beliebig regulierbaren Mechanismus, um große Eisenüberschüsse einfach wieder loszuwerden.
Deshalb bin ich kein Freund davon, hoch dosiertes Eisen ohne vorherige Labordiagnostik dauerhaft einzunehmen.
„Dein Körper verdient Unterstützung, die so ganzheitlich ist wie du selbst.“
Eisen und L Thyroxin: Bitte nicht zusammen einnehmen
Dieser Punkt ist für Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion besonders wichtig.
Eisen kann im Magen Darm Trakt mit Levothyroxin wechselwirken und dessen Aufnahme vermindern.
Deshalb sollten Eisenpräparate und L Thyroxin beziehungsweise andere Levothyroxin Präparate nicht gleichzeitig eingenommen werden.
In der Regel wird ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden empfohlen. Die konkreten Hinweise des jeweiligen Schilddrüsenmedikaments sollten dabei beachtet werden.
Wenn sich unter einer neu begonnenen Eiseneinnahme plötzlich die Schilddrüsenwerte verändern, lohnt es sich deshalb auch, die Einnahmezeiten anzuschauen.
Manchmal steckt hinter einem vermeintlich komplizierten Schilddrüsenproblem schlicht ein ungünstiger Einnahmeabstand.
Was tun, wenn Ferritin trotz Eisen nicht steigt?
Genau an diesem Punkt würde ich nicht einfach immer höher dosieren.
Wenn Eisen über längere Zeit eingenommen wird und die Eisenspeicher trotzdem nicht steigen, lohnt sich die Ursachenforschung.
Mögliche Gründe können beispielsweise sein:
anhaltende starke Blutungen
andere unbemerkte Blutverluste
eine unzureichende Eisenaufnahme
Zöliakie
eine autoimmune Gastritis
andere Erkrankungen des Magen Darm Traktes
Entzündungen
ungünstige Einnahmekombinationen
oder schlicht eine nicht ausreichende Einnahmedauer oder Dosierung.
Besonders nach der Menopause oder bei Männern sollte ein neu auftretender Eisenmangel sorgfältig abgeklärt werden.
Eisenmangel ist schließlich keine Diagnose der Ursache. Er ist zunächst einmal ein Befund.
Und genau diese Unterscheidung ist wichtig.
Häufige Fragen zu Hashimoto und Eisenmangel
Kann man trotz normalem Hb Wert Eisenmangel haben?
Ja. Ein Eisenmangel kann bereits bestehen, bevor eine Anämie entsteht. Ferritin und gegebenenfalls weitere Werte des Eisenstoffwechsels können deshalb zusätzliche Informationen liefern.
Welcher Ferritinwert ist bei Hashimoto optimal?
Einen wissenschaftlich festgelegten optimalen Ferritinwert speziell für Hashimoto gibt es nicht. Ferritin sollte zusammen mit Beschwerden, Blutbild, Transferrinsättigung und gegebenenfalls Entzündungswerten beurteilt werden.
Kann Eisenmangel Müdigkeit verursachen?
Ja. Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit gehören zu den möglichen Beschwerden eines Eisenmangels. Da diese Symptome aber viele Ursachen haben können, sollte die Diagnose über Laborwerte abgesichert werden.
Kann Eisenmangel Haarausfall verursachen?
Eisenmangel kann mit Haarausfall verbunden sein. Haarausfall kann jedoch zahlreiche weitere Ursachen haben, darunter Schilddrüsenerkrankungen, hormonelle Veränderungen, Stress oder andere Nährstoffmängel.
Kann Eisenmangel die Schilddrüse beeinflussen?
Eisen wird unter anderem für die Funktion der Thyreoperoxidase benötigt, einem Enzym, das an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt ist. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Eisenstatus und Schilddrüsenfunktion. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jeder niedrige Schilddrüsenwert durch Eisenmangel verursacht wird.
Kann ich Eisen zusammen mit L Thyroxin nehmen?
Nicht gleichzeitig. Eisen kann die Aufnahme von Levothyroxin vermindern. Deshalb sollte zwischen beiden Präparaten ein ausreichender zeitlicher Abstand liegen. Maßgeblich sind die Einnahmehinweise des jeweiligen Medikaments beziehungsweise die Empfehlung des behandelnden Arztes oder Apothekers.
Sollte jeder Mensch mit Hashimoto Eisen einnehmen?
Nein. Eisen sollte nicht automatisch hoch dosiert eingenommen werden, nur weil Hashimoto besteht. Ob eine zusätzliche Eisenzufuhr sinnvoll ist, hängt vom individuellen Eisenstatus, der Ernährung, möglichen Blutverlusten und weiteren Faktoren ab.
Was sollte untersucht werden, wenn Eisen immer wieder zu niedrig ist?
Dann sollte nach der Ursache gesucht werden. Je nach Situation können unter anderem Blutverluste, starke Menstruationsblutungen, Zöliakie, autoimmune Gastritis, andere Magen Darm Erkrankungen oder eine unzureichende Aufnahme eine Rolle spielen.
Mein Fazit aus über 20 Jahren Praxis
Wenn eine Frau mit Hashimoto zu mir kommt und sagt:
„Meine Schilddrüsenwerte sind eigentlich gut, aber ich bin immer noch völlig erschöpft“,
dann interessiert mich nicht nur der TSH Wert.
Ich möchte das größere Bild sehen.
Wie ist der Eisenstatus?
Wie schläft sie?
Wie sieht ihre Ernährung aus?
Gibt es starke Blutungen?
Wie arbeitet der Darm?
Gibt es Hinweise auf Entzündungen?
Wo steht sie hormonell?
Wie hoch ist ihre tägliche Belastung?
Und natürlich: Wie sind Schilddrüse und Schilddrüsenmedikation eingestellt?
Gerade bei Frauen ab 40 überlagern sich häufig mehrere Themen. Schilddrüse, Wechseljahre, Schlaf, Eisenversorgung, Stoffwechsel und Stress existieren nicht unabhängig voneinander.
Deshalb finde ich einen Satz besonders wichtig:
Nicht alles ist die Schilddrüse. Aber die Schilddrüse ist auch nicht immer allein.
Genau dieser Blick hat sich für mich in über 20 Jahren naturheilkundlicher Praxis immer wieder bewährt.
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Quellen und weiterführende Literatur
Mir ist wichtig, in meinen Beiträgen meine langjährige Praxiserfahrung von dem zu unterscheiden, was wissenschaftlich untersucht wurde. Für diesen Artikel habe ich mich unter anderem an folgenden Leitlinien, systematischen Übersichtsarbeiten und Fachinformationen orientiert:
World Health Organization (WHO), 2020:
WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations.
Die Leitlinie beschreibt Ferritin als wichtigen Marker der Eisenspeicher und geht unter anderem darauf ein, wie Entzündungen die Interpretation des Ferritinwertes beeinflussen können.
Zur WHO Leitlinie
Garofalo V, Condorelli RA, Cannarella R et al., 2023:
Relationship between Iron Deficiency and Thyroid Function: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2023;15(22):4790.
Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Eisenmangel, Schilddrüsenhormonen und Schilddrüsenautoimmunität. Bei Frauen ohne Schwangerschaft waren unter anderem niedrigere fT4 und fT3 Werte mit Eisenmangel assoziiert. Die Autoren betonen, dass weitere Forschung notwendig ist, um die Zusammenhänge genauer zu verstehen.
Studie bei PubMed ansehen
Gierach M, Rudewicz M, Junik R, 2024:
Iron and ferritin deficiency in women with hypothyroidism and chronic lymphocytic thyroiditis: systematic review. Endokrynologia Polska. 2024;75(3):253–261.
Diese Übersichtsarbeit beschäftigt sich speziell mit Eisen und Ferritin bei Frauen mit Hypothyreose und chronisch lymphozytärer Thyreoiditis, zu der auch Hashimoto gehört.
Studie bei PubMed ansehen
World Health Organization (WHO), 2024:
Guideline on haemoglobin cutoffs to define anaemia in individuals and populations.
Diese aktuelle WHO Leitlinie beschäftigt sich mit der Beurteilung von Hämoglobin und der Diagnostik einer Anämie. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung zur Ferritin Leitlinie, denn Eisenmangel und Eisenmangelanämie sind nicht dasselbe.
Zur WHO Leitlinie
Sanofi, Fachinformation L Thyroxin Henning:
Die Fachinformation enthält die offiziellen Angaben zur Anwendung von Levothyroxin sowie zu Wechselwirkungen und Einnahmehinweisen. Eisenhaltige Präparate können die Aufnahme von Levothyroxin beeinflussen und sollten deshalb bei der Planung der Einnahme berücksichtigt werden.
Zur Fachinformation von L Thyroxin Henning
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Diagnostik oder Behandlung. Bei auffälligen Laborwerten, ausgeprägten Beschwerden oder einem neu auftretenden Eisenmangel sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
